„Wenn der Glaube ungewifs wird", sagt Carlyle, „so wirdauch die Praxis ungesund." „In allen Fällen mufs ein Menseli,lim treulich zu arbeiten, auch fest glauben." Kommt es ihmdagegen nur darauf an, den Lohn für die Arbeit einzustrei-chen, statt unter Aufopferung seiner selbst das Werk zu ver-richten, so bleibt die ihm anvertraute Arbeit ungethan. Dasist das Zeitalter der Reklame, d. h. des gegenseitigen Be-truges, indem der eine um seines Vorteils willen in dem an-deren den Irrtum zu erregen sucht, als sei eine Leistung ver-richtet, die thatsächlich ungethan geblieben ist. So setztz. B. der Londoner Hutmacher einen sieben Fufs hohen Hutauf einen Wagen und läfst ihn durch die Stral'sen fahren; erversucht nicht bessere Hiite zu machen, „wie das Universumvon ihm verlangte und wie er bei seinem Scharfsinn Sehl-wahrscheinlich hätte machen können; sondern sein ganzerFleifs wird darauf verwendet, uns zu überreden, dafs er bes-sere Hüte gemacht habe 1 ". Jede Arbeit aber, die nur schein-bar gethan wird, bedeutet zugleich einen Eingriff in die Ord-nung, welche die Bedingung des Daseins des Einzelnen ist:die Gesellschaft. Dieselbe stammt aus einer Zeit, da ein je-der an seiner Stelle die ihm anvertraute Arbeit verrichtete.Wo nun solche ungethan bleibt, da klafft eine Lücke in derZusammenarbeit aller. „Was für Arbeit immer in unehr-licher Weise gethan wird mit einem Auge auf ihren äufserenSchein, ist eine neue Beleidigung und die Erzeugerin vonneuem Elend für den einen oder den anderen 2 ." „KeineFalschheit geht zu Grunde, sondern ist zum Wachstum aus-gesät."
Die wichtigste Arbeit in der ^resellschaft, die Herrschaft,
1 Past ancl Present S. 181.
2 Heroes and Heroworship S. 141. Frencli Revolution, Tauclinitz'Ausgabe Bd. I. S. 75.