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1 (1890)
Entstehung
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anhafteten, bei ihm zu principiellen Eigenschaften der Staats-verfassung erhoben sind. Die Regierung wird mehr und mehrzur Scheinregierung. Hierin nun lag für die jeder Regierungs-form feindliche Stimmung der Revolution der Vorzug dieserVerfassung, in demPrincipe der Freiwilligkeit", d. h. demGrundsatze, dafs die gesamte Gestaltung des Gesellschafts-lebens der Thätigkeit der Individuen zu überlassen sei. DerWunsch, eine Regierung zu haben, die möglichst wenigregiere, ist der Grundzug des vulgären Radikalismus, inwelchem sich das besitzende Bürgertum mit den Ideen derRevolution abgefunden hat, vorgebildet bereits in den Giron-disten. Er findet seinen Verbündeten in der Nationalökonomie.Auch diese, ebenfalls in Reaktion gegen entgegengesetzte An-sichten früherer Zeiten, predigt Nichteinmischung des Staates.Hierauf beruhen all die unzähligenFreiheiten", welche manzu Vernunftpostulaten machte, wieFreihandel" etc. Nurdagegen wendet sich Carlyle, welcher selbst eifriger Gegnerder Kornzölle war. Er behauptet, dafs eine praktische Unter-suchung der gegebenen Verhältnisse zu entscheiden habe.Eine Regierung, die der konstitutionellen Theorie und denvolkswirtschaftlichen Anschauungen ihrer Zeit treu bleibenwill, wird am besten thun, wie Carlyle sich ausdrückt,ingefälliger und verfassungsmäfsiger Weise nichts zu thun".

Soweit jene politischen und nationalökonomischen Lehrenum sich gegriffen haben, ist damit auch jede Parteibildungunmöglich geworden, welche auf sachlichen Gründen beruht.Die alten Parteien sinken zu persönlichen Koterien herab,deren ganze Politik durch das Streben nach Herrschaft be-herrscht wird. Carlyle behauptet, dafs eine Tory- oder Whig-partei nicht mehr existiere. Hatte er doch gesehen, wie die-jenigen, die sich die Konservativen nannten, die Liberalen inVorschlägen radikaler Verfassungsänderung überboten um der