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Wache reiten sehe, so überkommt mich eine Art traurigerVerwunderung darüber, wie in diesen Tagen des Zusammen-bruchs und elender Impotenz fast aller alten Institutionen,diese älteste Institution noch jung ist. Rotbäckig, festknochig,sechs Fufs hoch steht sie vor mir, während so vieles andere
blofser Schein geworden ist. Der Mann mit der Rofs-
haarperüclce (d. i. der Advokat) verspricht mir Gerechtigkeit zuverschaffen, schleift mich Jahrzehnte durch Prozesse, ohne dafsich Gerechtigkeit erhalte — der Mann mit dem Schaufelhut(d. i. der Geistliche) verspricht meine Seele zu retten, mitgleichem Erfolge wie jener; sie beide sind eine Art von Un-ding. Aber der Rotrock (d. i. der Soldat) ist ein Faktum,kein Schatten. Er thut thatsächlich, wozu er da ist; erhälter Befehl, so zieht er sein langes Schwert und tötet mich 1 ."Jeder anderen Aufgabe, die nicht zur all ernotdürftigsten undunmittelbarsten Erhaltung seines Daseins unentbehrlich ist, hatder Staat sich dagegen entschlagen. — Wir haben gesehen, wieder revolutionäre Geist sich des Parlamentarismus bedient,um die Staatsgewalt zu schwächen. Wir fragen nun, inwelcher Richtung bewegt sich die Entwicklung weiter. EineParteibildung, die auf principiellen Gegensätzen beruht, giebtes für die Politiker, welche unter diesem System leben, nicht.Die einzige Unterscheidung, mittelst deren sie sich in zweigrofse Gruppen teilen lassen, ist die zwischen Gemäfsigtenund Radikalen. Der Geist der Revolution, welcher die Massenunaufhaltsam ergreift, treibt zum Sturze der überkommenennoch bestehenden Gewalten, ein Wunsch, welcher nicht seltensich bis zu jener Begeisterung für die Zerstörung erhebt. DieStaatsmänner nun, welche darauf angewiesen sind, die Gunst
1 Vergl. über die ganze, hier nur in Bruchstücken wiedergegebeneStelle: Past and Present Buch IV, Kap. 3.