der Masse sich zu erhalten, werden sich durch immer weitereVorschläge der Demokratisierung gegenseitig zu überbietensuchen. Zudem sind solche, wie jedes Werk der Zerstörung,am leichtesten durchführbar. Der Bergpartei, alle anderenEinflüsse hinweg gedacht, wird stets der Sieg gehören, bisweiter nach links hin neue Elemente auftauchen, welche dieRadikalen durch radikalere Vorschläge noch übertreffen. EinBeispiel solcher Entwicklung bietet bereits die Geschichte derersten französischen Revolution. Wenn sich einstens diePolitiker über die chartistischen Forderungen entsetzten, sohaben sie sich seitdem mehr und mehr der Verwirklichungjenes Programms genähert.
Wenn Carlyle die Notwendigkeit dieser Entwicklung nichtunterschätzte, so beruht das darauf, dafs er ihren innerenZusammenhang erkannte. Er sah in ihr den Ausdruck einereinzigen Erscheinung, welche auf den verschiedenen Gebietendes Lehens einen verschiedenen Ausdruck annahm. Was ihmfür die inneren Formen der Gesellschaft der Unglaube war,das war ihm für die äufseren Formen die Demokratie: beidehatten für ihn die gleiche Bedeutung. Jener war ihm der„Mittelpunkt des socialen Krebses", diese seine äufsere Ge-stalt. „Demokratie", sagt er, „ist heute überall. Ihr millionen-füfsiger Tritt dröhnt auf allen Strafsen und Wegen." Wennwir dieses anerkennen, fassen wir wenigstens das Problemunserer Zeit. So lange wir uns dagegen jener Wahrheit ver-schliefsen, haben wir das Problem überhaupt noch nicht er-reicht, was docli die erste Vorbedingung der Lösung ist.Carlyle erkennt so die Macht der demokratischen Bewegungnicht anders an, als einer ihrer begeisterten Anhänger, weiler sich der Machtlosigkeit der alten Gewalten ihr gegen-über bewufst ist. Freilich thöricht erschien Carlyle derGlaube, dem selbst Männer wie Bentham und Mill nicht ferne