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Zusammenbruch in den Gluten der Revolution". „Ja, meinerosigen, fuchsjagenden Brüder", ruft Carlyle aus, „in eurenfrischen, üppigen Zügen offenbart sich mir entsetzlich bereitsdas hippokratische Gesicht 1 ."
Wir können Carlyle in der Schärfe dieser Angriffe nichtvöllig rechtgeben. Was er zum sittlichen Vorwurf macht,liegt zum guten Teil in den Verhältnissen. Wenn die eng-lische Aristokratie sich ihren Pflichten entzog, welche in derSelbstverwaltung des Landes lagen, so beruhte das in demAnwachsen der Industriemittelpunkte, für welche jenes viel-gerühmte System undurchführbar war. Was die Verödung desLandes angeht, so dürfte ihr Grund doch nicht lediglich invornehmen Passionen zu suchen sein, sondern in der höchstnüchternen Erwägung, dafs Ackerbau im Grofsbetrieb we-nigstens nicht mehr rentiere. Nichtsdestoweniger oder urnso-mehr kann man der Behauptung Carlyles beipflichten, dafsdie Lage der englischen Aristokratie eine aussichtslose sei.Ein ähnliches Schicksal hat die französische Aristokratie ge-troffen. In ihre Würden ist ein heimatloses Litteratentumgetreten. Vor allen ist es der Advokat, welcher nunmehr zuden höchsten Stellen im Staate emporklimmt und Führer derdemokratischen Bewegung wird.
Ein Blick auf die wirtschaftlichen Ergebnisse der bezeich-neten Entwicklung zeigt, wie die Theorie, die mit dem An-spruch das Ergebnis der reinen Vernunft zu sein auftritt, mitden Interessen derjenigen Klassen, welche sie verfechten,übereinstimmt. Das Königtum ist hinweggefallen, welchesdurch Neigung wie Interesse einst den wirtschaftlich Schwachenein Schützer zu sein berufen war. „Emancipation " wird dasSchlagwort der Zeit, nichts als ein volkstümlicher Ausdruck
1 Vergl. Past and Present, Ausgabe von Kretzschmar, S. 169.