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1 (1890)
Entstehung
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So ist insbesondere der sogenannte freie Arbeitsvertragnach Carlyle im Interesse der Besitzenden erfunden. DasVerhältnis zwischen den oberen und unteren Klassen derGesellschaft ist damit lediglich ein Geldverhältnis geworden.Sie stehen sich ausschliefslich als Käufer und Verkäufergegenüber. Es sind dies die Gedankengänge, in denen dermoderne Socialismus, insbesondere Engels und Marx, unmittel-bar von Carlyle abhängen, wie im Kap. VI zu zeigen ist. DerClansmann und Häuptling, Vasall und Lehnsherr, Höriger undGutsherr, Soldat und Anführer, Unterthan und Landesherrwaren sich gegenseitig auf die Dauer verpflichtet. DiesenVerhältnissen lagen nicht beide Erwägungen von Gewinn undVerlust, sondern gewisse Ideen wie Loyalität u. s. w. zuGrunde, welche in ihnen verwirklicht werden sollten. Häufigmochte das nicht der Fall sein, aber das wertvolle war, dafsjene Ideen doch bestanden, und dafs jedes Entgegenhandelnals etwas, was nicht sein sollte, alsVerrat" aufgefafst wurde.Heute sind jene Ideen erloschen, neue nicht vorhanden. Dieoberen Klassen haben nunmehr ausschliefslich den eigenenVorteil im Auge. Carlyle vergleicht den heutigen Industriellenim Gegensatz zu dem Ritter der Vorzeit, der wenigstens demPrincipe nach für Ideen und im Gefühl einer waltenden Ge-rechtigkeit zu kämpfen hatte, mit dem Wilden, der nur ausBeutelust in den Kampf ziehe. Während jener mit seinenVasallen verkettet war, sie Freud und Leid, Gewinn undVerlust zusammen trugen, benutzt heute der Reiche den Armenzwar zur Arbeit für seine Zwecke; er mufs ihn natürlich amLeben erhalten, so lange er für ihn arbeitet, aber sobald er ihnentbehren kann, entledigt er sich seiner undglaubt durchdie Bezahlung gewisser Schillinge und Pfunde seine Verbind-lichkeiten mit triumphierender Vollständigkeit ledig zu sein.Ist doch der Lohn, der versprochen war, bis auf den letzten