Druckschrift 
1 (1890)
Entstehung
Seite
237
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er von einem mit dem Gelübde der Armut ausgestattetenMönchsorden spricht, so zeigt sich hierin, dai's es die katho-lische Kirche des Mittelalters ist, deren grofsartiges Bild dieerwähnte Utopie hervorgerufen. Näher auf dieselbe einzu-gehen, erscheint überflüssig, nur das sei noch hervorgehoben,dafs Carlyle nicht nur in seinem BucheHelden und Helden-verehrung" , sondern auch in höherem Alter dieser Idee ange-hangen zu haben scheint, wie diePamphlete des jüngstenTages" beweisen.

Sobald es sich dagegen um die Beurteilung der Gegen-wart handelt, ist Carlyle wieder, wie immer, klar und prak-tisch. Er weifs, dafs heute die geistige Führung nicht mehrvon der Kirche oder irgendwelchen Anstalten, wie etwa denUniversitäten oder ähnlichem ausgeht, dafs sie vielmehr injenem uferlosen Meere zu suchen ist, das man Litteraturnennt. Mit der Erfindung der Buchdruckerei ist das Buchdas wichtigste Mittel geworden, durch welches die Ge-danken des Einen Herrschaft über das Handeln der Anderngewinnen. Nach Carlyle ist der Schriftsteller daher der ein-flufsreichste, moderne Mensch, der eigentliche Herrscher unsererZeit. Er übt den Beruf aus, der in früherer Zeit dem Pro-pheten und Priester zukam. Er leitet oder mifsleitet dieMitwelt. Er hat jene Periode des Skepticismus heraufgeführt,welche den Glauben zersetzt und mit dem Zerfall der be-stehenden Gesellschaftsorganisation endigt. Er hat die Fol-gerungen dieser Richtung gezogen: im Materialismus, Utili-tariertum und Pessimismus. Er allein ist imstande die Mächteder Zerstörung zu bezwingen, gegen welche äufserliche Mittel,sociale Reformvorschläge aller Art, wie sie täglich entstehenund vergehen, wirkungslos bleiben. Könnte man dagegendarthun, dafs in den Kreisen der Denker jene bezeich-neten Tagesrichtungen überwunden sind, so wäre damit we-