geleiteten Bewegung. Durch die Lehre der subjektiven Gel-tung von Raum und Zeit hat Kant den Völkern Europas einGut zurückgegeben, welches sie einst besessen aber im Laufeder letzten Jahrhunderte verloren hatten: den Idealismus.Carlyle teilt vollständig den idealistischen Standpunkt unddieser ist die Grundlage, auf der sich sein ganzes Gedanken-leben aufbaut. Er erhebt die deutsche Philosophie deswegen,weil sie die mechanische Weltanschauung überwunden habe,welche zwar noch eine langwierige Aufgabe zu erfüllen habenmöge, die zu den Massen jetzt hinabgesunken, aber doch fürdie besseren Köpfe endgültig veraltet sei. Dagegen beweistschon jene Auffassung, dafs es sich für Carlyle nicht um einedurchaus neue, von Kant ausgegangene Entdeckung handelt,dafs er nicht im eigentlichen Sinne als von jenem abhängigzu betrachten ist 1 .
Für Carlyle ist der Grundgedanke der idealistischenPhilosophie uralt. Nicht nur der Mysticismus im Christen-tum, sondern die christliche Religion, wie in beschränkteremGrade jede Religion überhaupt, beruht auf der Annahme,dafs die Sinnenwelt nur eine beschränkte, untergeordneteGültigkeit habe gegenüber einer transcendenten, durch denVerstand nicht fafsbaren Realität 2 . Nur hierdurch hatten dieReligionen den Individualismus überwunden, indem jedes
1 Vergl. den Brief an Dr. Chalmers vom 20. Februar 1847, abgedrucktbei Fiscber, Sartor Resartus S. 60, Leipzig 1882. „Für mich wenigstenshat die deutsche transcendentale Philosophie den schottischen und fran-zösischen Skepticismus sozusagen verschlungen und verdrängt. Die ganzeunfruchtbare Welt von Spinnweben, worin ich jahrelang in blindem, leiden-schaftlichem Forschungstriebe mein Leben verlor, ist jetzt total vernichtet,so dafs ich durch die unaussprechliche Gnade des Himmels von Neuemund mit meinen eigenen Augen über das Universum ausschauen kann".
2 Miscellaneous Essays I, S. 278. Ganz ähnlich H. Spencer . Vergl.Schlufsanmerkung zu Kapitel V.