Druckschrift 
1 (1890)
Entstehung
Seite
246
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von Deutseliland ausgehenden litterarischen Bewegung liegteben für Carlyle nicht in einer abgeschlossenen Leistung,nicht in unangreifbaren Sätzen wann hätte der mensch-liche Geist solche je hervorgebracht? Aber sie bedeutet,wenn auch noch reich verquickt mit Elementen der altenZeit das Aufdämmern einer neuen Periode des mensch-lichen Denkens.

Bis hierhin geht zugleich die Berührung Carlyles mitComte. Aber wenn Carlyle trotzdem Comte auf das heftigsteangreift, wenn er in ihm vielleicht, weil er ihn nicht ge-nügend kannte nichts als einen Verbreiter der materia-listischen Weltanschauung erblickt, so hat das seinen Grundin der Verschiedenheit der Riehtungen, die beide Denker voneiner ähnlichen Grundlage aus einschlagen.

Beide erkennen an,' dafs der menschliche Verstand sichbisher auf Gebieten bewegt habe, die ihm seinem Wesen nachnicht zustehen. Comte nun beschränkt die Aufgabe der Er-kenntnis darauf, das Material der sinnlichen Erfahrung zuordnen; denn mehr vermöge der menschliche Geist nicht 1 .Weit verschieden davon ist der Standpunkt Carlyles. Bei derDarstellung desselben ist der Umstand erschwerend, dafs demEngländer vollständig abgeht, worin gerade die Stärke desFranzosen liegt: formelle Präcision und systematische Klar-heit. Hier wie überall sind wir auf einzelne, in vierzig Bändenzerstreute Bemerkungen angewiesen. Nach Carlyle bestehteine doppelte Möglichkeit: entweder mit jener relativen Er-kenntnis sich zu begnügen und damit in der Sinnenwelt alleinzu leben oder die relative Erkenntnis auf ein Absolutes zubeziehen, welches natürlich nur, wie oben gezeigt, in symbo-

1 Er ist gewifs nicht in dem Sinne Materialist, dafs für ihn der Stoffeine absolute Realität besitzt. Vergl. unten Kap. Y, Abschn. 1.