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1 (1890)
Entstehung
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lischer Form und sinnlichem Stoff gefafst werden kann. Wiedie Wahl ausfällt, ist aber und dies betont Carlylewiederholt gar nicht Sache der Erkenntnis, vielmehr einerein moralische, beziehungsweise geschichtliche Frage. Der-jenige, dessen Wollen im Individualismus befangen ist, geht denersten Weg. Derjenige dagegen, der durch den Einflufs seinesLebensschicksals und seiner Zeit vom eigenen Selbst abge-wendet worden ist, wird sich für die zweite Möglichkeit ent-scheiden. Das erste ist die Weltanschauung negativer, daszweite die positiver Zeiten. In der Gegenwart war nun aberbisher eine Entscheidung in letzterem Sinne erschwert, ja fin-den denkenden Geist fast unmöglich gewesen. Die Begriffe,deren das altruistische oder sociale Wollen zu seiner Ziel-setzung sich bediente, waren durch den skeptischen Geist,einer nach dem andern, zerstört worden. So war diesesnur noch in Kreisen möglich gewesen, in denen vergangeneZeiten fortlebten. Aber auch sie wurden mehr und mehr vondem zersetzenden Hauche der Zeit berührt.

Nunmehr ist in dieser Entwicklung ein Wendepunkt ein-getreten. Man hat die Grenzen des menschlichen Erkenntnis-vermögens festgestellt; man hat eingesehen, dafs nur dieäufsere Form der socialen Symbole, die Art und Weise, inder ihr transcendenter Inhalt gefafst ist, dem Gebiet derErkenntnis angehöre und daher der Kritik seitens des Ver-standes ausgesetzt sei, dafs dagegen ihr Inhalt von diesenAngriffen unberührt bleibe. Man hat damit neben demIndividualismus auch die Berechtigung einer über das Indi-viduum hinausgehenden Zielsetzung zugeben müssen und vomVerstandesstandpunkt aus weder die eine noch die andereMöglichkeit bejahen können. Damit aber ist es für den Ein-zelnen wieder möglich geworden, in innerer Entwicklung vomIndividualismus ohne das Opfer des Intellekts zum Altruismus