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Hunger zu befreunden", in denen er sie daran erinnert, dafs„das Leben dem Menschen geschenkt wurde, damit er esmutig und männlich wieder hinwegschenke". Hervorzuhebenist nur, dafs hier der Punkt liegt, auf welchem Carlyle einenfast augenblicklichen, unberechenbaren Erfolg gehabt hat.Schon von diesem Gesichtspunkte aus ist er als einer dereinflufsreichsten von den Faktoren zu betrachten, welche imLaufe dieses Jahrhunderts jenen vollständigen Umschwung inder Stellung der oberen Klassen zu den unteren in England bewirkten.
Carlyle predigt sociale Gesinnung. Aber dieselbe er-schöpft sich für ihn nicht in philanthropischen Werken. Waser verlangt, ist eine Veränderung des Beweggrundes: einÜberwiegen der altruistischen gegenüber den individualisti-schen Motiven. Überall, bei jedem Geschäft kann und solldie sociale Gesinnung in Mitwirkung kommen und dadurchjede Thätigkeit wieder zur Höhe der Arbeit erhoben werden.Ein Beispiel, sagt Carlyle, welches, aus früherer Zeit über-kommen, uns noch heute eine solche Thätigkeit auf Grundvon socialen Elementen vor Augen stellt, bietet das Heer.Der Kitter — so auch sein Nachfolger, der Soldat — kämpftefür Ideen: für Ehre, Fahne, König, Vaterland, denen er wil-lig sein Leben opferte; und wenn auch heute viele andereMotive in Betracht kommen, ganz ohne jene erstgenanntenwäre doch auch heute ein Heer noch unmöglich. Ähnlichist nun, um wieder zu positiven Gesellschaftszuständen zugelangen, jede menschliche Thätigkeit zu gestalten, sie istwieder auf Ziele, die aufser dem Individuum liegen, zu rich-ten, wodurch wir zu einer „chivalry of labour", einem Ritter-tum der Arbeit, gelangen werden — ein Ausdruck, welcherseitdem vielgebraucht und viel mifsverstanden worden ist.Das Beispiel weiter ausführend, kommt Carlyle zu folgendem