Druckschrift 
1 (1890)
Entstehung
Seite
273
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Vergleiche. Auch der Kampf mit den Waffen ist nicht immerein ritterlicher und organisierter gewesen. Der Indianer be-kämpft seine Feinde, lediglich um sie zu vernichten undihre Skalpe in seinem Wigwam aufzuhängen. Ideen beherr-schen sein Kämpfen nicht; daher bringt es keine socialeOrganisation hervor; es ist unhistorisch und das Gesamt-resultat aller jener zahlreichen Kriegszüge gleich Null. An-ders der Ritter. Er tötet nicht, sondern unterwirft seineschwächeren Nachbarn. Er sucht sie dauernd zu beherrschen.Bald schlingen sich weitere Bande, als die des Zwanges,zwischen ihm und seinen Hintersassen. Er zieht mit seinenVasallen aus, die mit und unter ihm kämpfen, und an seinenEroberungen und Siegen Teil haben. Durch ihn wurdemochte sich auch die Wirklichkeit nur bis zu gewissemGrade dem Ideal nähern die Gesellschaft organisiert unddie europäische Geschichte hervorgebracht. Heute nun hatder Kampf, den alle menschliche Geschichte darstellt, inso-fern einen andern Charakter angenommen, als es nicht mehrein Kampf mitWaffen", sondern mitWerkzeugen", nichtmehr Krieg, sondern Konkurrenz ist, und die Waffen wegender Thatsache der Demokratie und der Unmöglichkeit derHalsbandmethoden in Zukunft an Bedeutung verlieren müssen.Wie benimmt sich nun der Nachfolger des alten Feudalbarons,der Führer in diesem industriellen Kampfe, der Arbeitgeber?Er gleicht heute noch mehr dem Indianer als dem Ritter.Seine Banknoten sind ihm, was die Skalpe für jene: ansich ebenso wertlos.Er könnte ein Feldherr der Industrie,ein Mitglied der letzten, echten Aristokratie sein. Die tau-send Mann, welche um ihn herum spinnen und arbeiten, sindein Regiment, welches er Mann für Mann angeworben hat,um einen sehr echten Feind zu bekämpfen: nämlich dieNacktheit des Rückens und die ungehorsame Baumwollen-

v. Schulze-Gaevernitz, Zum soc. Frieden. 18