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der Souveraiu, 11111 den Vorsitz über das Parlament zu füh-ren 1 ." Eine Reform der Exekutivgewalt ist notwendig. Abereine solche Reform wird kaum vom Parlamente ausgehen, viel-mehr wäre sie die Aufgabe eines Königs — „wenn wir einesolche unbezahlbare Wesenheit auftreiben könnten, was wirgerade jetzt am wenigsten können".
Die Überzeugung, dafs das Parlament weder selbst diesociale Reform in die Hand nehmen, noch auch die politi-schen Vorbedingungen dazu schaffen könne, läfst Carlyle alleRettung in dem Erscheinen eines starken und genialenStaatsmannes erblicken. Ein zweiter Cromwell thut uns not,hat er oft ausgesprochen, ein Mann mit eisernem Sinn. AufGrund solcher und ähnlicher Worte hat man fälschlicherweiseCarlyle den Vorwurf einer Vorliebe für den Despotismus gemacht:er gilt ihm gegenüber so wenig wie gegenüber den Positivisten,mit denen Carlyle sich hier nahe berührt, und wird widerlegtdurch seine rücksichtslose Anerkennung der Demokratie derZukunft. Ein solcher gottgesandter Staatsmann fände in Eng-land ein reiches Gebiet der Thätigkeit. Carlyle entwirft einganzes Programm für ihn. Er würde zunächst die Verfassungwieder in das richtige Gleichgewicht setzen, indem er der Exe-kutive wieder gegenüber dem Parlament Selbständigkeit ver-liehe. Wenn Mill aufstellt, dafs das englische Volk seineKolonien nicht selber regieren, sondern ihnen vielmehr „guteRegenten geben solle", wenn er in der Abhängigkeit der ko-lonialen Regierung vom Parlament eine grofse Gefahr für dieKolonien erblickt, so stimmt hiermit Carlyle völlig überein.Aber er geht weiter als Mill, indem er auch für den Heimat-staat gleiches behauptet. Das parlamentarische Regiment, wel-ches darin besteht, dafs die Minister ja überhaupt die höheren
1 Latter Day Pamphlets S. 281.