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1 (1890)
Entstehung
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alle Menschen anfangen zu sehen, nämlich dafs eine gesetz-liche Intervention oder vielmehr sehr viele gesetzliche Inter-ventionen unumgänglich notwendig sind, dafs dieses Bereichder Dinge nicht als eine gesetzlose Anarchie sich selbst über-lassen bleiben kann." Auch dringt er darauf, dafs die hiereinschlagenden Verhältnisse nicht in Dunkel gehüllt blei-ben, sondern vielmehr für alle Welt offenkundig gemachtwerden. Er hält daher das Institut der Fabrikinspektorenfür sehr nützlich und empfiehlt Vermehrung derselben. So-dann befürwortet Carlyle eine staatliche Beaufsichtigung dersanitären Verhältnisse der arbeitenden Klassen; hätten dochim alten Rom bereits die Aedilen ihres Amts in dieser Hin-sicht gewaltet. So wäre z. B. ein Gesetz über Minimalan-forderungen an Wohnungen, die zu menschlichem Gebrauchdienen sollten, zu erlassen. Es tauchen ferner natürlich auchbei Carlyle diejenigen Vorschläge auf, für die in England sichdas Herz jedes Menschenfreundes erwärmt: die Parkanlageninnerhalb der Grol'sstadt, verbunden mit Spielplätzen zumZweck der nationalen Spiele, ferner Volksbäder u. s. w.

Carlyle enthält sich auch hier eines Eingehens auf Ein-zelheiten. Das Interesse des Kapitals dürfe jedoch nichtallein den Ausschlag geben. Eine Industrie, welche sich nurauf Kosten der Gesundheit ihrer Arbeiter erhalten könne,sei eben nicht lebensfähig und darum nicht zu schützen.Vielmehr ist eine aus moralischen und hygienischen Gesichts-punkten sich ergebende Grenzlinie zu ziehen, welche derStaat als Minimum der Lebenshaltung seiner Angehörigenaufstellt, und welche allen Schwankungen der Nachfrage unddes Angebotes gegenüber absolut sein soll 1 .

1 Wir werden unten, Kap. IX, sehen, wie heute die öftentlieheMeinung eine solche Grenzlinie erzwingt.