Druckschrift 
1 (1890)
Entstehung
Seite
312
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eine Klage gegen untreue Genossen gewährt; diese aufser-ordentliehe Klage aber, welche vor dem Gerichtshofe derChancery" geltend gemacht werden mufste, war so kost-spielig, dafs sie für Arbeiter nicht in Betracht kam. So bliebihnen nichts übrig als ihr Vermögen Vertrauenspersonen zuüberantworten, denen sie schutzlos ausgeliefert waren.

Erst das Eingreifen der christlichen Socialisten gab derBewegung denjenigen Gedankeninhalt, welcher ihr eine her-vorragende Stelle in vorliegender Arbeit anweist, sie von derHerrschaft der individualistischen Zeitideen befreite, und miteinem mehr oder weniger christlich gefärbten, socialen Inhalterfüllte. Indem wir hierauf unten näher eingehen, geben wirzuvor einen gedrängten Überblick über die weiteren Ereignisseder äufseren Entwicklung.

Die von den christlichen Socialisten 1850 gegründeteGe-sellschaft zur Beförderung von Arbeiterassociationen" hatte zu-nächst die Bildung von Produktivgenossenschaften im Augewie es denn ihr von Ludlow ausgeführtes Ideal war, nachund nach alle Gütererzeugung in Genossenschaftsform zubringen und unter Ausschlufs gegenseitiger Konkurrenz diePreise durch Übereinkunft zwischen sämtlichen Genossen-schaften festsetzen zu lassen 1 . Die meisten Versuche dieserArt hatten keinen bleibenden Erfolg, während Konsumvereineallenthalben aufblühten und seitdem fortgesetztes Wachstumaufweisen. Der Arbeiter war für die Produktivgenossenschaftnicht reif, indem dieselbe einen so hohen Grad der Unter-ordnung des Individuums unter das Ganze fordert, wie erheute nur bei sittlich hochstehenden zu finden ist.

Mehr Glück hatten die christlichen Socialisten in ihren

1 Vergl. Ludlow, Christian Socialism and its opponents. (The Edinburgh Review, the Eclectiv and the Reasoner, London 1851 und die be-treffende Stelle bei Brentano S. 53.)