Druckschrift 
1 (1890)
Entstehung
Seite
350
Einzelbild herunterladen
 

350

kommt aber ein zweites, was das wichtigste ist. In allengröfseren "Vereinen werden sich Männer finden, welche umder Idee willen Genossenschafter sind. Diese sind die ge-borenen Vorstandsmitglieder. Häufig mit nicht mehr bezahltals dem entgangenen Tagelohn, fuhren sie Geschäfte, welcheder Kaufmann nur wohlbesoldeten Beamten anvertrauenkönnte. Aber da das überwachende Auge des Prinzipals fehlt,so wäre ein hoher Lohn nur zu leicht Versuchung, dafs Mit-glieder um der Bezahlung willen in den Vorstand zu kommensuchten, und alsdann mehr ihre eignen Interessen als die desVereins verfolgten. Daher ist die geringe Bezahlung einwirksamer Schutz der Redlichkeit der Geschäftsführung.

Nach und nach sind die Vereine aber grofse Arbeitgebergeworden. In ihnen sind heute gegen 13 000 Menschen alleinzu höheren oder niederen kaufmännischen Geschäften ange-stellt, abgesehen von dem grofsartigen Fabrikbetrieb. Hiernun erhebt sich die interessante Frage, inwieweit die Arbeiterihre Macht gleich dem kapitalistischen Unternehmer auszu-beuten geneigt sind. Die Praxis zeigt, dafs die Arbeiter inihrer grofsen Masse heute noch nicht viel höher stehen als dievon ihnen so viel angegriffene Produktionsweise. Zugegeben istallerdings, dafs eine Reihe von Vereinen, ähnlich nicht wenigenArbeitgebern, Gewinnbeteiligung eingeführt haben; solche Ver-suche, selbst wenn sie mifslangen, tauchen immer wieder vonneuem auf. Die gerechteste Beteiligung der Arbeiter, wiesie von den Leitern der Bewegung meist vergeblich empfohlenwird, ist dagegen die Gleichstellung zwischen Angestelltenund Mitgliedern in der Art, dafs die Dividende, welche aufje 1 j£ Einkäufe bezahlt wird, in gleichem Betrage auf je1 £ verdienter Löhne zu bewilligen ist. Auch hierbei sindes die gröfsten Vereine, insbesondere die Schottlands , welchevorangehen, während die kleinen und mittellosen Vereine der