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Kapital sie für den genannten Zweck aufwenden. Man istalso auf Schätzungen angewiesen.
Was zunächst die Konsumvereine angeht, welche neben-bei Häuserbau betreiben, so soll sich ihre Zahl auf über 60belaufen. Sie sind für uns die interessantesten, da es sichhier sicher um eine rein vom Arbeiterstande ausgehende Un-ternehmung handelt. Die gröfseren Konsumvereine kommenhäufig bei guter Geschäftsführung in die Lage, dafs die Un-terbringung der sich ansammelnden Kapitalien für die Leiterdie schwierigste Aufgabe wird; der Gesichtspunkt, neue Wegezur Verwertung dieser Sparanlagen der Mitglieder zu finden,ist gewöhnlich der erste Grund zur Errichtung einer Abtei-lung für Häuserbau. Umgekehrt aber pflegt die Errichtungeiner solchen Abteilung alsdann auch die Ansammlung wei-terer Kapitalien zu beschleunigen. Viele Mitglieder, welchebisher ihre Dividenden dem Vereine entzogen, weil sie an-dere, gröfsere Sicherheit bietende Sparanstalten, insbesonderedie staatlichen, vorzogen, werden durch die nunmehr gebotenereale Sicherheit veranlafst, ihre Ersparnisse dem Verein zuüberlassen. Die erste Schwierigkeit besteht in dem Ankaufdes geeigneten Grundstückes. Es ist keine vereinzelte Er-scheinung, dafs die gesammte Bodenfläche eines gewerbtrei-benden Dorfes oder Stadtteils einem Grundherrn gehört, wel-cher nur in superficies ähnlicher Weise vermietet. Dieses Ver-hältnis (der Grund auch des abstofsenden Aussehens vieler, selbstvornehmer Strafsen Londons ), ist besonders für den englischenArbeiter drückend, indem es eine befriedigende Lösung derWohnungsfrage oft unmöglich macht. Wo jedoch der Vereinglücklich genug ist, Land erwerben zu können, zerschneideter dasselbe in Bauplätze mit zugehörigen Gartengrundstückenund legt eine Strafse hindurch, welcher man mit Vorliebe denKamen „Cooperative Strafse" giebt. Eine solche Ansiedlung
v. Schulze-Gaevernitz, Zum soc. Frieden. 23