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des Betriebes als Ganzen zukommt. Erst wo dieser sieb findet,ist die eigentliche Produktivgenossenschaft möglich, so wie sievon ihren Verteidigern gedacht wird. Wir greifen zwei Bei-spiele solcher Genossenschaften heraus, um die Art ihres Ge-schäftsbetriebes kennen zu lernen.
Hebden-Bridge, in der Nähe von Manchester , ist seitfast einem halben Jahrhundert Sitz der Fabrikation jenersammetartigen Baumwollgewebe (fustian), wie sie der eng-lische Arbeiterstand mit Vorliebe trägt. Die dieser Fabrikationeigentümliche Operation ist das Zerschneiden der oberen Fa-sern des Baumwollengewebes, welches das Rohmaterial bildet.Es wird dies und zwar in der Richtung der Kette, also senk-recht auf den Einschlag, noch heute mit der Hand verrichtetmittelst dünner, sehr langer, dolchartiger Messer. Da es grofseGeschicklichkeit erfordert, um nicht die untere Lage des Ge-webes mit zu zerschneiden, ist es eine in hohem Mafse ge-lernte Arbeit. Die Fabrikation ist jedoch grofsen Schwankungenunterworfen und während der Sommermonate sind die Arbeiteroft aufser Arbeit.
Unter den Arbeitern von Hebden - Bridge, das nur einwenig oberhalb in demselben Bergthal wie Rochdale gelegenist, waren die Sammetschneider seit lange rege Genossen-schafter. Jedoch erst der seit 1869 eingetretene Aufschwungdes Genossenschaftswesens, insbesondere die Anregung derwieder aufgenommenen Kongresse, brachte eine Anzahl vonihnen auf den Gedanken, auch mit der Produktionsgenossen-schaft den Versuch zu wagen. Die Verhältnisse lagen insoferngünstig, als ein Betriebskapital im Anfang kaum nötig war:die Baumwollstoffe wurden in der ersten Zeit von den Ar-beitern während der Freistunden in ihren Häusern geschnitten,woneben die Beteiligten noch für ihre bisherigen Arbeitgeberzu arbeiten fortfuhren. Das Anfangskapital betrug 10 zu-