— 424 —
Armengesetzgebung, die seit Jahrhunderten Gültigkeit habe,nichts anderes enthalte. Was Toynbee im Sinne hat, zeigt z. B„dafs er jede aufser dem Arbeitshause gewährte Armenunter-stützung, weil diese Mafsregel die Löhne drücke, aufgehobensehen will; dagegen fordert er weitgehenden Eingriff der öffent-lichen Gewalt auf dem Gebiete der Erziehung, zur Lösung derWohnungsfrage durch Herstellung von Arbeiterwohnungen undDurchführung hygienischer Mafsregeln. Von diesem Gesichts-punkte aus feiert Toynbee die Erweiterung des Stimmrechtes:je mehr es sich dem allgemeinen nähere, desto mehr sei er-fahrungsgemäfs der Staat an der Hebung der ärmeren Klasseninteressiert. Eine solche Hebung aber sei im Interesse aller,weil niemand sich sicher fühlen könne, ehe nicht allen Bürgernwenigstens die Möglichkeit eines anständigen und ordentlichenLebens geboten sei.
Dieser Socialismus, wie er heute in England im Besitzeder öffentlichen Meinung ist, unterscheidet sich von dem fest-ländischen dadurch, dafs er die Freiheit des Individuums nichtverneint, vielmehr sie als ein heute noch zu verwirklichendes Zielansieht, dessen Erreichung gerade der staatliche Eingriff zubefördern habe. Im Grunde beruht dieser Unterschied desvon Toynbee vertretenen Socialismus von dem landläufigendarauf, dafs er nicht einer individualistischen Weltanschauungentspringt, welche eine staatliche Bändigung des Starken zuGunsten des Schwachen als unabänderlich notwendig ansieht,vielmehr die Hebung der Mensehen auf einen Standpunktaltruistischer Moral und idealistischer Weltanschauung in Aus-sicht nimmt, welche einst den staatlichen Eingriff in Wegfallbringen und durch freie Selbstbeschränkung ersetzen soll.
Dass die nach Besitz und Bildung Voranstehenden hierinvorangehen, ist daher wichtiger noch als der Staatseingriff. Diesociale Erziehung des Kapitals erscheint Toynbee als eine der