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Westen der Stadt oder in der City nachgehend, schenken sieihre Abende ihren ärmeren Mitbürgern; nicht selten stellen sieauch für begrenzte Zeit ihre ganze Kraft in den Dienst menschen-freundlicher Bestrebungen. Für solche „Residenten" 1 bietetsich ein weites Feld der Thätigkeit. Sie allein können alsansässige Bürger an der Selbstverwaltung sich beteiligen,welche sonst aus Mangel an geeigneten Elementen danieder-liegt. Sie pflegen z. B. Mitglieder des Gemeinderates (vestry),des Schulrates und des Armenrates zu werden. In erstererEigenschaft haben sie sanitäre und ähnliche Gesetze durch-zuführen, in der zweiten den immer noch in weiten Kreisenbestehenden Widerstand gegen die allgemeine Schulpflicht zubekämpfen, in der dritten die Gewährung von Unterstützungenaufserhalb des Arbeitshauses zu bekämpfen, welche die Löhnedrückt und auf die Dauer pauperisiert. Ferner pflegen dieseden oberen Gesellschaftsschichten angehörigen Bewohner jenerArmenbezirke den Zweigausschüssen der über ganz London verbreiteten „Gesellschaft für Organisierung der Wohlthätig-keit" anzugehören. Durch genaue persönliche Untersuchungdes einzelnen Falles der Armut sucht diese Gesellschaft dieGeldspenden, die von Westen herbeiströmen, in einer Weisezu verteilen, die eine möglichst wenig schädliche Wirkung aufdie Lebenshaltung der Bewohner des Ostens ausübt.
Um solche „Residenten" gruppieren sich ferner gewöhn-lich eine Reihe von Knabenvereinen, Arbeiterklubs u. s. w.Diese Vereine bilden den Kern, von welchem aus weitereKreise beeinflufst werden. In erster Linie zu nennen sinddie Vereinigungen von jugendlichen Arbeitern, Knaben wieMädchen. Häufig ohne Familienanhalt verkommen unzähligevon ihnen, weil sie keine Gelegenheit besitzen, die Freistunden
1 Einer der ersten derselben war Eduard Denison. Vergl. den Aufsatzdes Verfassers über „ToynbeeHall" in den Grenzboten 1887, Abschnitt IV.