— 433 —
in passender Weise zu verbringen; bei der in London ge-wöhnlichen Ungunst der Witterung sind sie geradezu zumWirtshausbesuch gezwungen. Daher sind diese von Geistlichenoder gebildeten Laien geleiteten Vereine von grofser Wichtig-keit, umsomehr als sie heute aufserordentlich verbreitet sind.Nach einer, wie mir scheint, nicht übertriebenen Schätzungsollen 50 % aller Knaben jener ärmeren Bezirke, die eineGrofsstadt für sich bilden, von derartigen Vereinen umfafstsein. Ihre Abende pflegen alsdann zwischen Unterhaltungen(Turnen, Boxen, Musik, Spielen der verschiedensten Art)und Unterricht, besonders in Handfertigkeiten (Holzschnitzen,Lederschneiden, Stenographie u. s. w.) geteilt zu sein. Schwie-riger in das Leben zu rufen, obwohl nicht weniger wichtig,sind diejenigen Bestrebungen, welche sich an die heranwachsen-den und erwachsenen Mädchen der ärmeren Klassen wenden,um sie den Gefahren der Grofsstadt zu entreifsen. DieseVereinigungen (young womens clubs etc.) sollen am Anfangmit Durchführung der Disciplin besondere Schwierigkeitenhaben; dagegen sollen die Erfolge, welche sie hinsichtlich desLebens ihrer Angehörigen nach kurzem Bestehen schon auf-weisen, noch weitgreifender sein als bei den Knabenvereinen. Beiallen diesen Vereinen, sowohl von Knaben wie von Mädchen,ist „Selbstregierung" das beste Mittel zur Disciplin wie Bil-dung des Charakters. Der Verein erwählt seine Vorstände,verwaltet seine Kasse, welche aus regelmäfsigen Beiträgender Mitglieder gebildet wird, übt das Recht der Aufnahmeund des Ausschlusses von Mitgliedern. Ohne „demokratischeVerfassung" wurde mir wiederholt versichert, seien solcheVereine auf die Dauer nicht lebensfähig, ebensowenig ohneeine wenn auch noch so geringe Subskription seitens der Mit-glieder.
v. Schulze-Gaevernitz, Zum soc. Frieden. 28