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welches, da es von anfsen nicht erhältlich, von innen auszu suchen ist 1 .
2. Alle politischen Versuche hatten bisher den Charakterdes Experimentes. Während man seit lange für die äufsereNatur die Herrschaft gewisser Gesetze annahm, glaubte man,dafs die gesellschaftlichen Zustände mehr oder weniger nachWillkür veränderlich seien. Hierauf beruhte die Annahme,dafs man durch gesetzliche Mafsnahmen die Gesellschaft un-begrenzt umgestalten könne. Der Positivismus dagegen be-hauptet, dafs die menschliche Gesellschaft allen Gesetzenunterfalle, welche von den Wissenschaften aufgestellt würden,dafs man diese Gesetze kennen müsse, um nicht auf denZufall hin, sondern planmäfsig in die socialen Verhält-nisse einzugreifen. Nennt man die Summe der für die be-stehende Gesellschaft mafsgebenden Gesetze „die Ordnung",so ist es klar, dafs diese Ordnung zwar nicht zu überschreiten,wohl aber innerhalb derselben Weiterentwicklung möglich ist.Werden doch die Erscheinungen, je zusammengesetzter siesind, und einer je höheren Wissenschaft sie angehören, destoveränderlicher durch menschlichen Eingriff. Hieraus folgt,dafs der Fortschritt der Ordnung untergeordnetist, wie etwa das Wachstum des Baumes dem Baum selber.
3. Die Auffassung von der Menschheit als Organismusweist dem Einzelnen die Stellung des Organs an. Mehr und
1 Comte entwickelt in seinem letzten Werke, der „Synthese sub-jective", S. 506—528 höchst geistreich, wie die Unterordnung der Einzel-wissenschaften unter die Wissenschaft von dem socialen Menschen zuvergleichen sei der Unterordnung des Differenzierens in der Mathematikunter das Integrieren. Das Differenzieren (Zerlegen einer Kurve in un-endlich kleine Teile) habe zum Zweck das Integrieren (d. h. Zusammen-fassung dieser Teile zur Messung der Kurve). In gleicher Weise zer-schnitten die Einzelwissenschaften das menschliche Dasein in Teile, welchean sich keine Realität hätten, zum Zweck der Erkenntnis der Gesetze,unter denen das Dasein stünde.