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2 (1890)
Seite
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die von der Theologie gewährte in einem äufseren, jenseitigenWesen, sondern im erkennenden Subjekte liegt. Da aber alleKenntnis nur subjektiv ist und wir von den Dingen an sichüberhaupt nichts wissen, so ist es auch nur natürlich, dal'sdie unsere Kenntnisse umfassende Einheit subjektiv ist, AlleWissenschaften, alle unsere Vorstellungen, die von Zahlenund Gröfsen, die der Astronomie, der Physik u. s. w., findenihre Einheit in der Vorstellung der Menschheit. Denn nurum der Bedürfnisse der Menschheit willen, für ihre Erhal-tung und Fortentwicklung, sind sie entstanden. Die Kennt-nis der Gesetze, unter denen die Menschheit lebt, begann mitder Mathematik. Ihr und den Naturwissenschaften verdankenwir die Kenntnis der äufseren Bedingungen unseres Daseins,der Gesetze des Raumes, der Zeit, der Jahreszeit, des Klimas,des Lichtes, der Hitze, der Elektricität, der chemischen Zu-sammensetzung etc. Die Biologie enthüllt uns weitere Gesetze,welchen die Menschheit in gleicher Weise unterworfen ist.Mit der Entdeckung der Gesetze der Sociologie aber zeigtsich, dafs sämtliche früheren Wissenschaften sich der Ent-wicklung der Menschheit einreihen, dafs die Sociologie alleanderen umfafst. Hieraus folgt, dafs, während bisher nurpositive Teilansichten möglich waren, nun eine Gesamtansichtmöglich ist, welche der Theologie zu entnehmen man sichvergeblich bemühte. Das analytische Verfahren der früherenWissenschaften findet in der Sociologie seine Synthese.

Hieraus folgt die Unterordnung der Analyse un-ter die Synthese. Die Untersuchung der Einzelheiten deruns umgebenden Natur und der Gesellschaft ist gut und nütz-lich, aber nicht an sich, sondern nur als Mittel für den Zweckdes socialen Daseins. Kenntnisse von Einzelheiten sind gut und

nützlich aber nur, wenn sie einem System eingeordnet sind,

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