— 34 . —
Ist jenes das Gesetz der „socialen Statik", so ist das fol-gende das der „socialen Dynamik". Da die Entwicklung derintellektuellen Fähigkeiten, wie am Eingang hervorgehoben,das leitende Element in der Entwicklung des Menschen-geschlechts überhaupt bildet, so ist das Gesetz, welches, wiewir sahen, für jene gilt, das der drei Stufen, zugleich dasGesetz der menschlichen Gesellschaft überhaupt. Für Comteentspricht dieser Entwicklung eine gleiche des äufseren Le-bens vom Kriege, der ursprünglichen Beschäftigung des Freien,zur Industrie d. h. der Einwirkung auf die umgebende Naturzum Zwecke der Erhaltung des Lebens L Nur mit dem Fort-schreiten der positiven Kenntnisse bezüglich der äufserenNatur wird eine wachsende Einwirkung des Menschen aufdieselbe, wie sie die Industrie darstellt, möglich. Diese bei-den sich deckenden Ketten der Entwicklung bilden für Comteden Gesichtspunkt, unter welchen sich die Geschichte derMenschheit wie die aller ihrer Teile ordnen läfst.
Aus diesen Gesetzen aber ergeben sich wichtige Folge-rungen:
1. Die Wissenschaften waren bisher ohne inneren Zu-sammenhang. Es war ihnen eine einheitliche Weltanschau-ung nicht zu entnehmen, weshalb die Theologie und Meta-physik doch immer noch die herrschenden Mächte blieben.Zwar in Einzelheiten den Menschen aufklärend und leitend,gaben die Wissenschaften ihm weder innere Einheit nocheinen Ansporn für sein Handeln. Heute dagegen schliefsensie sich mit dem positiv werden der Soeiologie zu einemSystem zusammen — eine Einheit, welche freilich nicht wie
1 Appel aux Conservateurs, 1855, S. 8. „Das praktische Leben hatdrei einander folgende Stufen: Eroberung, Verteidigung, Industrie".