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dafs die politischen und rechtlichen Zustände stets, aufser inÜbergangszeiten mit dem entsprechenden Stande der Civili-sation übereinstimmen; die Vorstellung von der absolutenGüte gewisser Kegiemngsformen gehört der metaphysischenDenkweise an.
Das Gefühl dieses Zusammenhanges, die „Solidaritätder Menschheit", wird nach Ansicht der Positivisten heuteimmer mehr Gemeingut Westeuropas , wenn auch noch viel-fach nicht zur positivistischen Klarheit entwickelt. Die eng-lische Nationalökonomie hat hier vorgearbeitet, indem sieden Irrtum ihrer Vorgängerin wiederlegte, dafs ein Land nurwohlhabend werden könne auf Kosten des andern. Wiehieraus einleuchtet, versteht also Comte unter Menschheitnicht das gesamte Menschengeschlecht, sondern nur die ingeschichtlicher Abhängigkeit voneinander stehenden KulturenAsiens, Europas, Amerikas — ein Kreis, welcher sich nachseiner Ansicht jedoch mehr und mehr ausdehnt.
Auch ist die innerliche Abhängigkeit der Teile diesesKreises nicht allezeit die gleiche gewesen. Vielmehr über-wogen in früher Zeit die kleineren Zusammenhänge, insbe-sondere der Familie und des Staates, welche auch spätertrotzdem die „Menschheit " ihnen übergeordnet wird, nichtetwa dadurch an Bedeutung abnehmen, sondern vielmehr ge-winnen. Auch hier die Ähnlichkeit des organischen Lebens;auf seinen niedersten Stufen sind die Teile fast unabhängigvon einander, auf den höchsten dagegen ist die gegenseitigeAbhängigkeit am meisten entwickelt, während die Teile trotz-dem am weitesten zu getrennten Organen differenziert sind.
Das Gesetz des organischen Zusammenhangs wird ergänztdurch ein weiteres Gesetz, welches die Entwicklung betrifft.
v. Scliu lze-Gaevernitz , Zum soc. Frieden. II. 3