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der von Comte aufgestellte Satz: entre l'homme et le mondeil faut l'humanitd, der einzelne Mensch ist so sehr Erzeugnisder Geschichte, dafs man ihn nur im Zusammenhang mit derihn umgebenden Gesellschaft und ihrer vorhergehenden Ent-wicklung verstehen kann. Die von Comte aufgestellte Me-thode für das Studium der Gesellschaft ist nichts diesem Ge-biete eigentümliches. Vielmehr zeigt sich darin ihr Charakterals einer Wissenschaft des organischen Lebens, welchen siemit der Biologie teilt. Während beiden unorganischen Erschei-nungen die einfachen Vorgänge bekannt, die zusammengesetz-ten dagegen weniger bekannt sind, so liegen in der organischenWelt die einfachen Vorgänge meist verborgen, dagegen sinddie Erscheinungen um so bekannter, je zusammengesetzter siesind. Der Mensch — eine Vorstellung, die von allen der Bio-logie die zusammengesetzteste ist — ist am bekanntesten undseine Analogie bildet den Ausgangspunkt für den Begriff deslebenden Wesens überhaupt. Die gleiche Notwendigkeit vomGanzen, d. h. der Geschichte der Menschheit auszugehen,herrscht auf dem Gebiete der Sociologie, da hier die einzelnenErscheinungen in noch gröfserer gegenseitigen Abhängigkeitstehen als selbst beim Einzelorganismus.
Diese Methode enthält aber zugleich das erste Gesetz derSociologie, das des organischen Zusammenhanges.Es folgt hieraus, dafs die Gebiete der socialen Erscheinungen,insbesondere die geistige, sittliche, staatliche und gewerb-liche Entwicklung, von einander in gegenseitiger Abhängig-keit stehen. Eines herauszugreifen und es zu behandeln,als wären die andern nicht vorhanden, ist ein Irrtum,welcher sich besonders häufig heute darin zeigt, dafs mandie politischen Einrichtungen und das bestehende Kechts-system als unabhängig von dem bestehenden Zustande derSitten, Kultur u. s. w. ansieht. Demgegenüber ist zu betonen,