mehr freies Spiel geben. Nun aber hat die Wissenschaft,von der Analyse zur Synthese fortschreitend, das diesseitigeGesamtdasein gefunden. Sie beweist, dafs die Unterord-nung unter dasselbe, d. h. der Altruismus, den Gesetzen dermenschlichen Natur entspricht, und dafs ohne denselben dasDasein des Gesamtwesens und damit das der Einzelwesenunmöglich wäre. Wir sehen, wie so nach Comte die Wissen-schaft die am Eingang aufgestellte Forderung erfüllt: sie be-weist die Notwendigkeit des Altruismus und wird damit zurReligion. Betrachten wir die Geschichte der Menschheit alseine Erziehung vom Individualismus zum Altruismus, so hatbisher der theologische Glaube die Rolle des Erziehers ge-spielt, die nunmehr die Wissenschaft übernimmt — nichtmehr unvereinbar mit dem sittlichen Gefühl, sondern es ent-wickelnd und stärkend.
Die „Unterordnung der Selbstsucht unter dieLiebe" ist die wichtigste der drei Unterordnungen, mittelstderen der Positivismus das menschliche Dasein ordnet. Sieunterdrückt nicht die individuelle Unabhängigkeit, ebensowie die Analyse unter die Synthese, der Fortschritt unter dieOrdnung zwar unterzuordnen, aber in dieser Unterordnungunerläfsliche Bedingung des Übergeordneten sind. Die Eigen-tümlichkeit der Menschheit gegenüber anderen Organismenbesteht darin, dafs sie aus getrennten Einheiten sich zusam-mensetzt, deren Fortentwicklung zugleich Fortentwicklungdes Ganzen ist. Also nicht Unterdrückung des Individuums,wie sie von den Mystikern geübt wurde, sondern möglichsthohe Ausbildung desselben, weil es so am besten zum Dienstefür das Gesamtdasein geschickt ist. Auch nicht Unterdrückungder zahlreichen, zwischen dem Einzel- und Gesamtdaseinstehenden, organischen Verbände; nur indem sie solchendienen, sind die meisten der Menschen fähig, die Menschheit