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Die von H. Spencer in den „First principles" an der Hand derMechanik gewonnenen Grundsätze der Entwicklung beziehen sich auf alleErscheinungen sowohl die der anorganischen, wie die organischen, wiedie socialen. Spencer geht in der monistischen Auffassung aller Erschei-nungen bis zu den äufsersten Folgerungen: er unterwirft die socialeWelt nicht nur den für alles organische Lehen geltenden Gesetzen,sondern auch den für die organische wie unorganische Welt gemeinsamgeltenden. Denn den Unterschied, welcher für den unwissenschaftlichenBetrachter zwischen dem Organismus des Einzelwesens einerseits unddem socialen Ganzen andererseits darin besteht, dafs letzteres sich ausunzusammenhängenden Individuen zusammensetzt und daher abstrakterBegriff, nicht Konkretum erscheint, beseitigt Spencer von vornherein.Auch scheinbar zusammenhängende Körper könnten ja nie wirklich zu-sammenhängend sein, wie die Zusammendriickbarkeit der Stoffe beweise,ferner ihre verschiedenen Aggregatzustände, in denen dieselbe Masse ganzverschiedenen Umfang einnähme, weshalb man annehmen müsse, dafsauch ihre Einheiten (Moleküle) getrennt seien. Zudem gäbe es auch un-organische Ganze, die aus weitgetrennten Teilen zusammengesetzt seien,z. B. das Sonnensystem. Aufserdem sei natürlich auch der Zusammen-hang socialer Ganzen ein rein körperlicher, indem die Nervensystemeder Einheiten durch körperliche Mittel aufeinander wirkten. — Aus derEntwicklung überhaupt hebt sich die organische Entwicklung hervor,welcher auch die sociale angehört. Die auf das eingehendste nach allenSeiten geprüfte Definition des Lebens, beziehungsweise der organischenEntwicklung kann nach Spencer nicht anders gefafst werden als aufEinzelorganismen und gesellschaftliche Organismen in gleicher Weise an-wendbar. Das eigentümliche des Lebens, welches durch Abstammungeine unendliche Entwicklungsreihe bildet, deren Anfang wie EndeDunkel umhüllt, ist ein System selbständiger, in sich geschlossener Be-wegung, in welchem sich die Teile gegenseitig im Gleichgewicht haltenund Störungen von aufsen durch innere Neuordnung wieder aufheben;lebende Wesen sind die einzig wahrnehmbaren Ganzen, indem in derunorganischen Natur das Ganze unsem Blicken entzogen ist. —
Ein weiteres Eingehen auf die Spencersche Philosophie fällt ausdem Rahmen vorliegender Arbeit; das gesagte genügt, um zahlreiche An-knüpfungspunkte an Carlyle und Comte zu erkennen.