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vorenthält, sodal's „der Überflufs Weniger der Grund sei derDürftigkeit Vieler". „Der Meister nimmt einen Anteil amProdukte der Arbeit oder am Werte, den die Arbeiter denMaterialien, worauf sie verwendet wird, zusetzen 1 ." Hierausentspringen Rente und Gewinn.
2. Die Veränderungen, welche Ricardo den AnsichtenAdam Smith zu Teil werden läfst, erklären sich daraus, dafser ausschliefslich den Standpunkt des beweglichen Kapitalsvertritt. Wie in der politischen Geschichte der Zeit die In-dustriellen die Arbeiter zur Durchsetzung ihrer Herrschaftbenutzen, so verhüllt Ricardo den zwischen beiden bestehendenInteressengegensatz und stellt ihre Interessen als gemeinsamgegenüber dem Grundbesitz dar. Obgleich Ricardo die Wert-lehre des Adam Smith teilt, findet sich bei ihm doch keineder obigen ähnliche Ausführung dahin, dafs ein Teil desWertes der Arbeit vom Kapitalbesitzer dem Arbeiter entzogenwerde. Das Ergebnis der Ricardoschen Renten-, Lohn- undGewinntheorie vielmehr ist, dafs Löhne und Gewinne hoffnungs-los fallen, die Grundrenten dagegen naturnotwendig steigen.
Was Ricardo zu Gunsten des Kapitals vernachlässigt,wird gegenüber dem Grundbesitz desto breiter ausgeführt:die berühmte Grundrentenlehre. Diese Lehre stammt vonAnderson und Malthus 2 , zwei energischen Vertretern des In-teresses der Grundeigentümer; das einzige Originelle vonRicardo besteht in der fanatischen Systematik, mit der er sie
1 Yergl. Wealth of nations Buch Y, Kap. 1; Buch I, Kap. 8.
2 Anderson hat diese Lehre wiederholt entwickelt: zuerst in einergegen Smith gerichteten Ausfuhrung in seinen Observations on NationalIndustry 1777, auf welche Smith antworten wollte, was er indes unterliefs;sodann in einer Schrift über die Korngesetze 1777; desgleichen in späterenSchriften, zuletzt in seinen Recreations in Agriculture, II. Series, I vol.S. 401—428, London 1801. Die bezüglichen Schriften von Malthus sindbekannt.