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Kraft seines natürlichen Monopols, so lehrt nämlichRicardo, bezieht der Grundherr denjenigen Teil des Produk-tes der Erde, welcher den Unterschied zwischen der wirklichaufgewandten und der auf dem schlechtesten, noch in Anbaubefindlichen Boden aufgewandten Arbeit gleichkommt. DieRente wächst daher „mit zunehmenden Nationalreichtum undder Schwierigkeit, die wachsende Bevölkerung mit Lebens-mitteln zu versehen". Eine notwendige Folge dieser Ent-wicklung ist das Steigen der Lebensmittelpreise, welches, obnun der Geldlohn steigt oder nicht, den thatsächlichen Lohnder Arbeiter, d. h. das, was sie kaufen können, unaufhaltsamherabdrückt. Hieraus ergiebt sich, „dafs die Lage des Ar-beiters im allgemeinen schlechter, die des Grundherrn immerbesser wird". Dieser Satz spricht die Tendenz aus, welcheRicardo mit der Aufstellung des „ehernen Lohngesetzes" ver-folgt, das im fünften Kapitel der „Principles" entwickelt wird.Der Lohn sinkt stets zu der Gröfse herab, welche notwendigist, „dafs die Arbeiter leben und ihr Geschlecht fortpflanzenkönnen", dem sogenannten Lebensminimum. Während Ricardoallerdings zugiebt, dafs insbesondere in einer fortschreiten-den Gesellschaft durch Sitten und Gewohnheiten der Markt-preis der Arbeit zeitweilig über den „natürlichen Preis" der-selben stehen können, so treten doch schon bei ihm diese Aus-nahmen zurück. Dafs man sie gänzlich vergafs und den Ar-beiter an die Grenze des Elends gefesselt glaubte, dahinwirkte die Bevölkerungslehre des Malthus . Dafs auch Ricardothatsächlich dieser Ansicht war und jenen Ausnahmen ge-