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2 (1890)
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ringe Bedeutung beimafs, beweist z. B. jene Deduktion, dai'ses gleich sei, ob die Steuern auf Lohn oder Gewinn gelegtwürden, da der Lohn den notwendigen Unterhaltsmitteln gleichsei und die Steuer daher stets auf den Gewinn abgewälzt würde.

Da mit steigender Produktion der erforderliche Zuwachsder Nahrungsmenge nur durch Aufwendung von mehr undmehr Arbeit möglich ist, so sinken auch die Gewinne, undder Arbeitgeber leidet wie der Arbeiter. In seinemEssayon tlie influence of a low price of corn on the profit of stock"(1815) spricht bereits Ricardo den Grundgedanken seinerganzen Nationalökonomie in folgenden Worten aus:DasInteresse des Grundherrn ist jederzeit dem aller anderenStände in der Gesellschaft entgegengesetzt."

Da aber offenkundig nicht der Grundherr allein ein na-türliches Monopol hat, sondern ebenso der Kapitalbesitzer, dadie Unterscheidung, dafs es sich allein bei der Landwirt-schaft um ein in beschränkter Menge herstellbares Gut handle,unhaltbar ist, so ist es von Ricardo aus nur ein kleinerSchritt, das Interesse der Besitzenden dem der Besitzlosengegenüberzustellen. Hatte Ricardo den Grundherrn als denAusbeuter mifsliebig zu machen gesucht, der ohne Arbeitdie Früchte fremder Mühe pflücke, so hatte dies die Be-deutung, die Arbeiter zum Vorstofse gegen die überliefertenMachtverhältnisse zu gebrauchen. Nach der Bewegung fürdie Reformbill aber kamen der Chartismus und seine Nachfolger,die socialrevolutionären Parteien des Festlandes, welche Kapi-tal wie Grundbesitz in gleicher Weise für die Feinde desArbeiters erklärten, wie Adam Smith bereits angedeutet hatte.

Aus den Lehren Adam Smith und Ricardos ergeben sichfolgende Sätze, auf denen der Socialismus beruht:

1. Dem Arbeiter wird ein Teil des Erzeugnisses seinerArbeit widerrechtlich entzogen, nämlich die Differenz des