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wohl aber der die Durchschnittsansichten seiner Zeit ammeisten wiedergebende Denker Englands ist, sowohl auf phi-losophischem als besonders socialem und politischem Gebiet.Natürlich ist bei dem einen seiner Landsleute dieser, demanderen jener Einflufs überwiegend. Die Vertreter eines aus-gesprochen socialistischen Standpunktes werden wir in folgen-dem kennen lernen. Aber auch der von Carlyle, Comte etc.ausgehende Einflufs breitet sich aus. Ein jüngst erschienenesBuch, „Cyril" 1 von Geoffrey Drage, einem jüngeren Juristen,beweist wie in den Universitätskreisen heute die CarlylescheGrundansicht, dafs die menschliche Gesellschaft statt auf Selbst-sucht auf Selbstüberwindung (selfdenial) beruhe, Wurzel ge-fafst hat. Aber auch diese letztere Richtung, die im Gegen-satz zu socialistisch als social zu bezeichnen ist, stimmt, wie dieBetrachtung der Universitätsbewegung und des Positivismus,so auch das soeben genannte Buch zeigt, darin mit demSocialismus überein, dafs sie den Glauben an die alleinselig-machende Kraft des Laissez-faire aufgegeben hat. Auch siefordert vielfachen und weitgehenden Staatseingriff, wenn auchmit jenem dem eigentlichen Socialismus entgegengesetztenGedanken, dafs die gesetzliche Beschränkung nicht an sichgut sei, vielmehr zur Erziehung des Individuums zur Freiheitdienen sollte.
Von dem Gesichtspunkt der praktischen Politik aus werdendaher alle diese Richtungen, Mill, Toynbee, Fr. Harrison etc.als socialistisch bezeichnet. Sie alle befürworten Beschränkungder Freiheit des Individuums zu Gunsten der schwächerenVolksklassen durch staatlichen Eingriff (Socialismus im weiterenSinne, in England meist Socialismus schlechthin genannt).