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2 (1890)
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lieh fähigen ausgesucht wurden. Die nicht gewählten gehörtenzum Heer derArbeitslosen ", die sich und ihre Familiendurch die Armenpflege, den Bettel oder Diebstahl erhaltenmüssen. Aber auch jene, die Arbeit erhielten, zählten nichtselten nach zwei Stunden zu derselben Klasse. Die Dock-gesellschaften, bis vor kurzem einem unbeschränkten Arbeits-angebot gegenüber, zogen es vor, so viel Arbeiter anzuneh-men, dafs die vorhandene Arbeit in kürzester Zeit zu er-ledigen war. Zu dem kommt, dafs jene von dem Hafenlebende Bevölkerung von der Unregelmäfsigkeit der Witte-rung abhängt. Wenn widrige Winde, Stürme im Kanal etc. dieSchiffe zurückhalten, herrscht Hunger und Elend in Ost-London.

Einen weiteren Bestandteil jener dem Pauperismus ver-fallenen Massen bilden die, welche einem mit Grofsindustriekämpfenden Handwerke angehören. Noch giebt es in Lon-don , das man fälschlich als den wirtschaftlich fortgeschritten-sten Teil Englands ansieht, zahlreiche Handweber (Spital-fields Weber), deren gewöhnlicher Zustand um die Grenze desVerhungerns schwankt. Einen bedeutenden Teil zu demHeere des Elends stellen ferner die mit den Bekleidungs-gewerben zusammenhängenden Arbeiter. Hier ist das SystemdesSehweifstreibens" (sweating) in voller Blüte. ZwischenArbeiter und Unternehmer schiebt sich gewöhnlich ein Mittels-mann ein, welcher Lieferungen an Schuh -, Bekleidungs- etc.Geschäfte in Akkord nimmt. In Höhlen des Schmutzes undLasters zusammengepfercht, sind Männer wie Weiber hiernicht besser als Sklaven. Die Arbeitsdauer ist unbeschränkt;nicht selten haben die Opfer ihrem Herrn die notwendigenKleidungsstücke versetzt, sodafs sie, weil am Ausgehen ver-hindert, buchstäblich der Freiheit beraubt sind. Hierhin ge-hören jene Tausende von Frauen und Mädchen, welche denTag über angestrengt arbeitend, oft in ungebührlich langer