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beitsloser, welche die Hauptstadt durchziehen und ihr Elendin den glänzenden Vierteln der Weltstadt blofsstellen, diemeist zwar ruhig in geordneten Zügen marschierend, durchden blofsen Anblick ihrer Not zu wirken suchen, einmal aberdoch (am 8. Februar 1886) die Läden in Picadilly und MayFair plünderten und mit Steinwürfen die Spiegelscheiben derKlubs in Pall Mall zertümmerten, jene Sitze eines unerreich-ten Luxus selber bedrohend. Damals erhoben sich Stimmen,dafs für England der Tag der socialen Revolution angebrochensei. Alle, welche die englischen Arbeiterverhältnisse als hoch-entwickelt geschildert hatten, galten als widerlegt; man be-schuldigte sie womöglich im Interesse einer politischen Parteischön gefärbt zu haben.
Beide Bilder sind wahr, beide stehen nebeneinander.Irrtümlich jedoch ist es, rvenn man das Vorhandensein jenerelenden Massen der Industrie Schuld giebt, und etwa hinzu-fügt, wie die Maschine den Menschen um sein Brot bringeund sein Dasein hinabdrücke. Das umgekehrte ist der Fall.Das Elend jener Massen besteht darin, dafs sie nicht derGrofsindustrie angehören, dafs sie nur die ungelernte Kraftihrer Hände auf den Arbeitsmarkt bringen. Ohne erschöpfendsein zu wollen betrachten wir einige der das Londoner Pro-letariat zusammensetzenden Klassen 1 .
Man denkt zuerst der Londoner Hafenarbeiter, welchemit ihren Familien mehrere Hunderttausend ausmachen. JedenMorgen pflegen oder vielmehr pflegten, denn der „grol'se Aus-stand" hat das geändert, 20—25000 erwachsene Männer anden Eingängen der Londoner Docks sich zu drängen, bis dieThore sich aufthaten, die Menge hineinströmte und die körper-