Druckschrift 
2 (1890)
Seite
106
Einzelbild herunterladen
 

106

nungsbewegung Mühe hatte, unter den jüngeren National-ökonomen genügend Lehrer frei von socialistischer Färbungzu finden, der die älteren Mitglieder der betreffenden Gesell-schaften entgegen waren.

Endlich aber sind es jene elenden Massen selbst, unterdenen die festländische Socialdemokratie Boden fand, nach-dem sie anfingen, über ihre eigene Lage nachzudenken.Hierzu trug bei die aufserordentlich starke Einwanderung,deutscher Arbeiter nach London , wo zugleich der russischeNihilismus und internationale Anarchismus sein Stelldicheinhaben. Der heutige Londoner Socialismus, soweit er revo-lutionär ist, ist nichts als der Chartismus des LondonerProletariats, welches in seiner Entwicklung um fünfzig Jahrehinter dem englischen Arbeiter zurück ist, der nördlich vomTrent vornehmlich seinen Sitz hat. Daher ist es wohl mög-lich, dafs noch nicht ergriffene Schichten der Arbeiter in Zu-kunft der Bewegung zufallen; wichtiger aber ist, dafs auchder Londoner Arbeiter zum Teil sich bereits darüber empor-hebt, wie der jedes revolutionären Beigeschmacks entbehrendeAusstand der Dockarbeiter 1889 bewies.

Viele Mifsverständnisse und Streitigkeiten wären ver-mieden worden, wenn man sich des Unterschiedes zwischendem englischen Industriearbeiter und dem hauptstädtischenProletariat stets bewufst gewesen wäre. Von dem ersterenhörte man, dafs er als der fortgeschrittenste Typus seinerKlasse anzusehen sei: körperlich und geistig wohl entwickelt,in mächtigen und besonnenen Vereinigungen organisiert, derrevolutionären Agitation unzugänglich. Daneben erhielt manBerichte von entsetzlichem Elend, von Pauperismus, wie erauf dem Festlande unbekannt ist, so z. B. aus der FederHenry Taines in seinen Noten über England . Man hörtevon Menschen, die des Hungers sterben, von Scharen Ar-