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todes befindlichen Proletariat gähnen müsse L Natürlich könntenLeute, die von einer Woche zur andern ihres Lebens nichtsicher seien, durch irgendwelche Veränderung innerhalb derGesellschaft nicht leiden; von einer Revolution hätten siedaher nichts zu fürchten, aber alles zu hoffen. „In naherZukunft müssen die englischen Arbeiter entweder die Herrenoder die Sklaven sein" 2 . Die in solchen ähnlichen Wortensich äufsernde Stellungnahme ist hier nicht weiter zu schil-dern, da sie aus Deutschland genügend bekannt ist. Dieselbefand auch vornehmlich unter dem zahlreichen deutschen Pro-letariat Londons Anhänger, welches einen bedeutenden Teilder Londoner Socialdemokratie ausmacht. So hörte ich inder Versammlung zur Feier der Pariser Kommune 1889,welche die Socialdemokraten veranstalteten, mehr deutsch alsenglisch .
Selbst über die englischen „Unbeschäftigten" scheint dieseeigentlich revolutionäre Propaganda wenig Einflufs zu haben.„Sobald sie beschäftigt sind", sagte mir ein Führer des eng-lischen Socialismus, „so hören sie auf Socialisten zu sein;selbst wenn sie einmal eine Unruhe erregen sollten, so thätensie das mehr aus bitterster Not, als um des Principes willen".So waren z. B. die Beschlüsse, welche in den grofsen Ver-sammlungen von Unbeschäftigten während des Winters 1887beschlossen wurden, gemäfsigter Natur; man verlangte Unter-stützung arbeitsfähiger Armer, welche sonst keine Arbeit findenkönnten, durch öffentliche Arbeiten, insbesondere Bau vonArbeiterwohnungen, welche von der Londoner Centraibehörde(metropolitan board of works) errichtet werden sollten, weit-herzigere Anwendung des Armengesetzes u. s. w. Der ruhige
1 Vergl. Hyndman, The Coming Revolution in England , S. 30, 31.London , W. Reeves.
2 Vergl. Ilyndman a. a. 0.