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kratie legt nunmehr den Hauptnachdruck auf gesetzgeberischeMalsregeln. Statt zu behaupten, dai's die Lage des Arbeitersimmer schlimmer werde, nennt man die Fabrikgesetze einen„grofsen Segen". Statt Revolution zu predigen, bei der eben dochheute ein grol'ser Teil der englischen Arbeiter etwas zu ver-lieren hätte, befürwortet sie praktische Mafsregeln, wie dieseauf der socialdemokratischen Konferenz zu Birmingham 1889in ein Programm zusammengefafst wurden. In dem Mals , alssie das thut, ist sie sicher, unter den arbeitenden Klassen anBedeutung und Anhängern zu gewinnen. Aber in demselbenMafse, als sie politische Forderungen stellt, mufs sie aufden Boden des Bestehenden treten. Indem sie durch Ab-stimmungen im Parlament Ziele zu verwirklichen sucht, wirdsie vielfach gezwungen sein, für gemeinsam Gewolltes mitPersonen zusammen zu arbeiten, welche ihre Ansichten überden Endzweck: die Verstaatlichung aller Produktionsmittel,nicht teilen z. B. den Georgistcn und anderen. Sie mufs aufdie naheliegenden Ziele den Nachdruck legen.
Die Taktik der englischen Socialdemokraten besteht alsoheute in der Benutzung der vorhandenen gesetzlichen Mittel. DerKampf geht an der Wahlurne vor sich. Die Arbeiter sollen nachihrer Ansicht in jedem Wahlkreise den zu wählenden Kandidatenverpflichten, bestimmte arbeiterfreundliche Maisregeln im Par-lamente zu befürworten. Sobald die Arbeiter von dem Be-wufstsein ihres gemeinsamen Interesses erfüllt seien, könneein Erfolg nicht ausbleiben. Weigere sich nämlich ein libe-raler Kandidat, die bezeichneten Bedingungen anzunehmen,so hätte Parnell das Mittel gelehrt, den notwendigen Zwangauszuüben. Man brauche nur zu drohen, sich auf die Seiteder Gegenpartei zu stellen, um sicher zu sein, seinen Willendurchzusetzen. In der That liege das Schicksal der liberalenPartei in den Händen der Arbeiter, welche dieses Verhältnis