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Orte keineswegs das Wort und macht sogar den Diplomatender Mittelklassenregierung einen schweren Vorwurf aus derAufgabe des Rechts der Kaperei auf dem Pariser Kongrefs,weil dasselbe im Kriege die beste Stärke der englischen See-macht gebildet habe.
Mit dem angedeuteten Umschwünge in der socialistischenArbeiterpartei trennen sich von ihr die eigentlich revolutionärenElemente, obgleich diese sich zum Teil ebenfalls als Socialistenbezeichnen. Aber das volkswirtschaftliche Glaubensbekennt-
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nis ist eben hier nicht das entscheidende, sondern das tak-tische Programm, und in letzterem unterscheidet sich dieserevolutionäre Gruppe der Socialisten in nichts von den An-archisten. Letztere erklären, dafs die Abschaffung allerAutorität, die Beseitigung des Staates und die völlige Frei-heit des Einzelnen notwendige Vorbedingung zur Erreichungeines heute nicht weiter zu formulierenden, idealen Ge-sellschaftszustandes sei; jede bestimmte Vorstellung vomIdeal gilt als Reaktion und ist höchstens Gegenstand dichte-rischer Extase. Insofern enthält der Anarchismus eigentlichnichts als ein taktisches Programm: Zerstörung des Bestehen-den. Indem nun Socialisten dieser Taktik zustimmen, ohneAufgabe des Zukunftsbildes einer kollektivistischen Volkswirt-schaft, ist ein „anarchistischer Socialismus" wohl möglich, ob-gleich der Anarchismus als äufserster Individualismus demSocialismus entgegengesetzt ist.
Dieser Standpunkt, welcher von der „SocialistischenLiga" vertreten wird, mufs natürlich auf die Lehre der so-cialistischen Schriftsteller den Nachdruck legen, dafs die Lagedes Arbeiters unter dem heutigen Gesellschaftssystem immerschlechter werden müsse — ein Satz, der bei dem prak-tischen Socialismus, welcher Vorschläge zur Hebung der ar-
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