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2 (1890)
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gegengesetzt sind. Der revolutionäre Socialismus mufs allepraktisch-soeialistischen Mafsregeln bekämpfen, weil siedie Unzufriedenheit der Massen vermindern könnten, undlediglich undurchführbare Vorschläge als Agitationsmittel be-fürworten. Der praktische Socialismus dagegen wird bei denbestehenden Parteiverhältnissen parlamentarische Bündnissesuchen, welche allein zu Gunsten gemäfsigter Vorschläge zuerhalten sein werden. Es erhebt sich daher die Frage: welchedieser beiden Richtungen hat in England greisere Aussicht?Ist es ferner wahrscheinlich, dafs eine von ihnen an An-hängerzahl dermafsen zunimmt, um auf die politischen undsocialen Verhältnisse thatsächlichen Einflufs zu gewinnen?

Diese Fragen lassen sich meiner Meinung nach nur be-antworten durch Untersuchung der weiteren Fragen: welcheStellung nehmen die Gewerkvereine heute zum Socialismusein, und welche werden sie voraussichtlich in Zukunft ein-nehmen? Die Gewerkvereine scheinen nämlich diejenigeMacht zu sein, welche in der englischen Arbeiterbewegungdie Führung behauptet und in Zukunft behaupten wird.Letzteres ist bezweifelt worden, insbesondere hat man aufdem Festlande die Gewerkvereine Englands bereits totgesagt.Darum hierüber zunächst ein Wort.

Entstehung, innere Einrichtung und Wirksamkeit derGewerkvereine sind in Deutschland durch das Buch Brentanosbekannt geworden. Dasselbe erschien zu Beginn der sieben-ziger Jahre, konnte also nicht weiter gehen als bis zur Lega-lisierung dieser Vereine. Diese haben dann in Deutschland verschiedene Arten von Gegnern gefunden: selbstverständlichdie Vertreter des patriarchalischen Systems, aber aufserdemdiejenigen, welche in einem bureaukratischen Staatssocialismusdas Heil suchen, sowie die Socialdemokratie. Die beidenletzteren, sonst so verschieden, werden nicht müde, das Fiasko