— 162
Pachtzinsen für Irland zuspricht. Es war das erste Mal, dafsdie liberale Partei bewufst die Freiheit des Vertrages zuGunsten erwachsener Männer beschränkte. Das Gesetz, welchesErmäfsigung der Pachtzinsen in Schottland vorsieht, war ein•weiterer Schritt in dieser Richtung 1 . Insbesondere haben dieirischen Verhältnisse ein Vorgehen der liberalen Partei ver-anlafst, zu dem sie zur Zeit in England keineswegs noch ent-schlossen wäre. Vielmehr scheinen die sehr auseinandergehen-den Ansichten sich hier zunächst auf eine weniger weitgehendeForderung zu vereinigen: „die Neuanpassung der Grund-steuer". Diese Forderung vertritt auch die von Cobden undBright begründete „Financial Reform Association", deren schonS. 91 Erwähnung geschah. Die Grundsteuer, in früheren Jahr-hunderten als Ablösung für die vom Grundherrn persönlichzu leistenden Dienste gezahlt und nach der Weise des stän-dischen Staates zwischen Parlament und Krone in wechselnderHöhe vereinbart, wurde im Jahre 1692 festgelegt als 4 Schillingvom Pfund des jährlichen Einkommens. Die damalige Schätzungwurde trotz ungeheurer Erhöhung des Einkommens vom Lande,besonders von den städtischen Grundstücken beibehalten, sodafs thatsächlich der gröfste Teil derselben der Besteuerung
1 Zu diesem Zwecke richtete man das eigentümliche, in vieler Be-ziehung für England durchaus neue Verfahren vor dem „Land Court" ein,welcher die Grundzinsen der schottischen Pächter (crofters) ermäßigt.Während eines Jahres (1888/89) hat dieses staatlich eingesetzte Schieds-gericht in sechs schottischen Grafschaften die Grundzinsen und schuldigenRückstände in folgender Weise herabgesetzt:
bisheriger Grundzins 11 882 £ 18 sh.festgesetzter - 8 380 - 2 •
Ermäfsigung 3 502 £ 16 sh. (29Va %).
, Rückstände 20 325 £ 14 sh.
nunmehr noch schuldig 6428 - 10 -
Erlafs 13 897 £ 4 s h. (68 %).