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2 (1890)
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entgeht. Macaulay 1 berichtet bereits vom Jahre 1856, dafsdamals die Grundsteuer wenig mehr als ein Fünfzigstel dessenbetragen habe, was sie nach dem wirklichen Werte der Rentenhätte betragen sollen; heute beträgt die Grundsteuer statt4 Schilling kaum zwei Penee auf das Pfund Sterl.

Da es sich hier um Verhältnisse handelt, welche auf deneigentümlichen Agrarverhältnissen Englands beruhen, so istweiteres Eingehen nicht unsere Aufgabe. Hervorzuheben ist nurfolgendes: 1. dafs die Landreform derjenige Punkt ist, wo dieliberale Partei zuerst auf den socialistischen Boden tritt, weiles sich hier nicht um einen Angriff auf die Interessen des be-weglichen Kapitals, sondern des Grofsgrandbesitzes handelt;2. dafs angesichts der ungeheuren Mächte des Widerstandesauch hier die extremen Richtungen zur Zeit weit entferntvon Aussicht auf Verwirklichung ihres Endzieles, dagegen alsnützliches Mittel für die Herbeiführung unabweislicher Refor-men zu betrachten sind; 3. dafs ein staatlicher Eingriff in dieGrundbesitzverhältnisse Lebensfrage der Nation ist bei derVerödung des Landes 2 und dem Anschwellen der Städte, derAufserkulturlegung früher ertragreichen Landes und der nichtsdesto weniger fortschreitenden Bereicherung des Grofsgrand-besitzes, indem trotz des Verfalles der Landwirtschaft dieRenten im ganzen gewachsen sind.

Als Grund hierfür kommt in Betracht, dafs der zu in-dustriellen Zwecken, zu Wohnhäusern u.s.w. benutzte, dergröfste Teil des städtischen Grund und Bodens in den Händen

1 History of England Vol. IV, S. 285.

2 Die Verminderung der Bevölkerungszahl in den ackerbautreiben-den Grafschaften trat zuerst für 2 Grafschaften im Jahrzehnt 185161hervor, 1871 waren es bereits 4, 1881 gar 13 Grafschaften, deren Be-völkerung abgenommen hatte, während in den übrigen die bedeutendeZunahme ausschliefslich auf die Städte kam. Der deutsche Osten bietetAnalogien.

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