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des Grofsgrundbesitzes verblieben ist und nur in langdauerndenPachten (9—99 Jahre) vergeben wird. Ein greiser Teil Lon-dons gehört z. B. dem Herzog von Westminster. Der Ablaufsolcher Pachtverträge gewährt dem Grundherrn die Gelegenheit,den inzwischen eingetretenen, gewerblichen Gewinn schwer zubelasten. Hieraus ist das ungeheure Wachsen der Rentenvom Londoner Grund und Boden zu erklären. In der Thatseheinen nicht nur in London , sondern auch in einigen an-deren Städten z. B. Birmingham, Sheffield die städtischenRenten in stärkerem Verhältnis zu steigen als Gewinne undLöhne 1 . Hierzu kommt, dafs eine Bergwerksfreiheit, wie siein Preufsen besteht, in England unbekannt ist und die vonden Bergwerksunternehmern dem Grundbesitzer zu zahlendenAbgaben eine ungeheure Höhe erreichen.
V.
Der Socialismus und die Kirche.
Der Socialismus trägt in England , insbesondere aber inSchottland vielfach eine christliche Färbung. In allen socia-listischen Gesellschaften finden sich Leute entschieden christ-lichen Glaubens. Aufserdem aber giebt es ausgesprochen„christlich socialistische" Organisationen, deren bedeutendste„die christlich socialistische Gesellschaft" unddie „Gilde des Heil. Mathäus" sind.
Das religiöse Leben hat in diesem Jahrhundert einenAufschwung genommen, welcher die Kirche an verschiedenenPunkten in die sociale Entwicklung eingreifen läfst. Wir
1 Vergl. Report prepared by Arthur O'Coniior M. P., Sonderberichteines Mitgliedes der Royal Commission on the Depression of trade. FernerFigures for Londoners, Fabian Tracts No. 10.