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erinnern an Maurice 1 und Kingsley sowie an Pusey und seineNachfolger. Heute findet sich unter den Geistlichen derKirche, wie der Sekten eine starke Strömung zum Socialis-mus. Dieselbe stimmt zwar mit jenen älteren christlichSocialen in der Behauptung überein, dafs die bestehendenUngleichheiten innerhalb der Gesellschaft, insbesondere derKampf um das nackte Dasein, wie er seitens so vieler geführtwerde, durch das Christentum zu überwinden seien. DerUnterschied besteht jedoch darin, dafs die heutigen christ-lichen Socialisten als Werkzeug hierfür den durch das Christen-tum bestimmten Staatseingriff befürworten, von dem die altenchristlich Socialen nichts hatten wissen wollen.
Durchaus verschieden von den deutschen Verhältnissenscheiden sich die sogenannten Liberalen und Konservativeninnerhalb der englischen Kirche nicht nach Lehrmeinungen,sondern nach der Stellung zu kirchenpolitschen und socialenFragen. Die Liberalen befürworten sei es Entstaatlichung-— dies besonders die Dissenters —, sei es Demokratisierungder Kirche. Letzteres ist die neuere Richtung; sie verlangtBeseitigung des Einflusses der Bischöfe, der Patronats-rechte u. s. w. und Übertragung der kirchlichen Regierungauf örtliche und allgemeine kirchliche Parlamente. Durch„Invasion der Kirche durch die Massen" seitens „der Mengeder Jünger" sei allein Befreiung der Kirche von „Kaste undMammon" zu erhoffen. Man erwartet also von weitgehendemWahlrecht aller ihrer Angehörigen, dafs die Kirche aufhöreVertreterin von Klassen- und Besitzvorrechten zu sein undGemeingut des Volkes werde. Wie man das Volk seinerGemeindeländereien, so habe man es seiner Kirche beraubt
1 Der Führer des heutigen christlichen Socialismus, der Rev. StuartHeadlam, Mitglied des Londoner Grafschaftsrats, ist Schüler von Maurice.