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und beide werde es in gleicher Weise wieder zurückeroberndurch das Erwachen der Demokratie. Es läfst sich nichtverkennen, wie in der That eine Ähnlichkeit zwischen derheutigen Landfrage und der Kirchenfrage besteht. Beidewaren von den herrschenden Klassen monopolisiert worden.Der individualistische Liberalismus fordert „freies Land" und„Entstaatlichung der Kirche", der neue socialistische Radi-kalismus setzt dem „Verstaatlichung des Landes" und „freie(d. h. demokratisierte) Kirche" entgegen. Dies die Stellungder Partei, deren Organ der „Churchreformer" ist.
Also nicht auf kirchenpolitische Fragen beschränken sichdiese geistlichen Reformer. Diejenigen, sagen sie, welche dieJenseitigkeit und Überweltlichkeit des Christentums betonten,hätten nur zu häufig sich mit den bestehenden socialen Misver-hältnissen auf diesem Wege auseinandersetzen wollen, welcheanzugreifen ihnen der Mut fehlte oder persönliches Interesseverbot. Die Thätigkeit Jesu hätte sich dagegen ebenso aufdie diesseitige wie die jenseitige Welt bezogen. „Unser HerrJesus Christus erklärte ausdrücklich, dafs einer Nation Ge-rechtigkeit darin bestehe, dafs sie Acht habe, dafs die ihrigenin genügender Weise genährt, gekleidet und in Wohnungenuntergebracht seien; seine haupsächlichsten Wunder warengegen die physischen Leiden gerichtet, welche das mensch-liche Leben verderben und zerstören" L Er heilte Kranke,erweckte frühzeitig Gestorbene, dadurch zeigend, dafs esnicht sein Wille sei, dafs, wie im heutigen England , ein fastzwanzigjähriger Unterschied im Durchschnittsalter der reiche-ren und ärmeren Klassen bestehe.
Das Christentum sei dem entsprechend in seiner ursprüng-
1 Aus der Ansprache des Vorstehers der „Gilde vom heil. Mathäus"am 14. September 1888.