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welche dein Christentum in seinem frühesten, unverfälschtenAlter auf das äufserste gleiche. Sobald die eingesetzten Füh-rer des Volkes, die Geistlichkeit und die Kirche, dieses ein-sähen, so würden sie die Leitung der Bewegung antreten.Politik, Gesetzgebung, Volkswirtschaft, jeder Teil des mensch-lichen Lebens sei von den Christen in Anspruch zu nehmen.Das „Banner Christi" aber sei schon in der Hand der Socia-listen, wie überhaupt kein Fortschritt denkbar sei, der nichtdurch den Willen und die Kraft Gottes gewirkt werde 1 .
Es ist klar, dafs es allein von den volkswirtschaftlichenAnschauungen abhängt, wo die christlichen Socialisten denBeginn „des essens ohne zu arbeiten" annehmen. Sind sieMarxisten, so wird ihnen Grundrente, Zins und Gewinn als„unverdienter Zuwachs" erscheinen; sind sie Georgisten, sowerden sie als solchen nur die Grundrente ansehen. Es istnun eine eigentümliche Erscheinung, dafs die meisten derchristlichen Socialisten den letzteren Standpunkt einnehmen.Zins und Gewinn sehen sie meist für Erzeugnis unmittelbareroder mittelbarer Arbeit an; dagegen fordern sie die Unter-drückung der Grundrente als einer Beraubung der Armen durchdie Reichen. Ihr Führer, der Rev. Stuart Headlam, nimmtausdrücklich diesen Standpunkt ein und ist gegen Verstaat-lichung des Kapitals. Auch hier liegt der Anknüpfungspunktnicht fern. Der radikalen Forderung der Entstaatlichung der
1 Vergl. Church Reformer vom August 1888 S. 180, 181; vom Ok-tober 1888 S. 218—221; vom November 1886 S. 242—45. Kritisch liefsesich gegen den christlichen Socialismus einwenden, dafs das Christentum,wenn es selbst in der Kritik der Gesellschaft mit den heutigen Socialistenübereinstimme, die von ihm empfohlenen Mittel verwirft. StaatlicherZwang ist rein äufserliches Mittel, während Christi Reich „nicht vondieser "Welt" also innerlich, daher „Wiedergeburt" die Bedingung desidealen Zustandes ist. — Das Christentum ist antiindividualistisch, socialnicht socialistiscli.