schildert haben. Vorgeblicherweise im Interesse der Freiheitgeschehend, führte sie Verhältnisse herbei, welche thatsäch-lich die vollste Unfreiheit der Mehrzahl des Volkes bedeute-ten. Als man daher später der neuen Produktionsform ent-sprechende Schranken der gesetzlichen Freiheit des Indi-viduums aufrichtete, z. B. die Fabrikgesetzgebung — eine Ent-wicklung, welche man als socialistisch bezeichnen kann —so begründete man damit erst die thatsächliche Freiheitder meisten. Indem man die Freiheit weniger beschnitt, ver-mehrte man die Gesamtsumme der vorhandenen Freiheit.
So hat der Socialismus nur äufserlich eine reaktionäreFärbung, indem er Schranken errichtet, wo bereits die Schran-ken gefallen schienen. Auch sind die von ihm errichtetenanderen Geistes als die, welche in Gesellschaften von reinkriegerischem Typus einst bestanden: sie sind errichtet imInteresse der Allgemeinheit, nicht dem der Klassen. Sie dienender Erziehung zur Freiheit und damit dem menschlichen Fort-schritt, welcher Entfaltung des socialen Daseins auf Grundsittlicher Selbstbeschränkung aus dem individualistischen Da-sein und der zwangsweise beschränkten Selbstsucht bedeutet.Indem der Socialismus trotz Aufrichtung von Schranken dochthatsächlich im Interesse der Befreiung der Massen wirksamwird, ist er ein Glied in der ungeheuren Kette der demokra-tischen Entwicklung, welche das Weib wie die Sklaven befreithat, die einst nur Mittel für das Dasein Bevorzugter waren.Trotz widersprechenden Scheins dient er der vom Christentumzum erstenmal grundsätzlich ausgesprochenen Forderung, dafsjedem Menschen, auch den ärmsten, ein unvergleichlicher,mit allem irdischen unmefsbarer Wert und Selbstzweck bei-zulegen sei.
Dem Socialismus entspricht ein Idealbild der mensch-lichen Gesellschaft: der socialistische Zukunftsstaat. Das-