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Arbeitgeber. Wir sahen, wie die Theorie, welche diese Ent-wicklung begleitete, den Arbeiter lediglich als Produktionsmittelbetrachtete. Dieser aber, nicht zufrieden als blofses Mittel sichbehandeln zu lassen, gründete die erste socialrevolutionärePartei. Aber auch der Arbeitgeber war etwas anderes als einausschliei'slich zum Zwecke der Kapitalanhäufung in Thätig-keit tretender Automat, wofür ihn die Theorie ausgab. Auche r war daneben Mensch, d. h. nicht einem, sondern zahl-reichen und verwickelten Beweggründen gehorchend und vonden überlieferten Glaubens- und Moralvorstellungen, wie denneuentstehenden Zeitideen vielfältig beeinflufst. Die Theoriemochte am ehesten noch auf die erste Generation der Arbeit-geber gepafst haben, welche durchweg aus den unterstenKreisen emporgestiegen waren. Ihre Hölle war in der That,wie Carlyle es ausgedrückt hatte, keinen Gewinn zu machen.Auf ihre Söhne pafste bereits diese Beschreibung nicht mehr,soweit dieselben nicht in dem schnell erworbenen Reichtumihrer Väter früh untergegangen, sondern durch Universitäts-studium, öffentliche Thätigkeit u. s. w. in Berührung mit demGeistesleben der Nation getreten waren. Entsprechend deroben geschilderten Wandlung der Theorie macht auch diethatsächliche Stellung des Arbeitgebers zum Arbeiter im Laufedes Jahrhunderts eine Veränderung durch. Zur Zeit derHerrschaft der individualistischen Nationalökonomie war derArbeiter für den Arbeitgeber thatsächlich nichts als ein Mittelder Gütererzeugung. In der zweiten Periode, entsprechendder von Carlyle ausgehenden Bewegung, welche zuerst dieFärbung des socialen Torytums an sich trug, betrachtete derArbeitgeber den Arbeiter als seiner Schutzgewalt unterworfen.Indem er für ihn patriarchalisch sorgte, glaubte er die Herr-schaft im Arbeitsverhältnis wie die politische Heerfolge desArbeiters sich zu sichern. In jener Zeit entstanden die viel-