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1796 gegen diese Zustände, welche die ganze Nachbarschaftder Gefahr der ansteckenden Krankheiten aussetzten.
Aus philanthropischen und christlichen Gesichtspunktenbefürwortete der ältere Sir Robert Peel , welcher selbst grofserBaumwollenspinner und zur Zeit Parlamentsmitglied war,Staatseingriff zu Gunsten der Fabriklehrlinge. Beim Be-suche seiner eigenen Fabrik, die gegen 1000 solcher Kinderbeschäftigte, erklärt Peel selbst, sei er durch das ungesundeAussehen und den verkrüppelten Wuchs derselben erschrecktworden; in einer Rede im House of Commons am 2. Juni 1802sagt er ausdrücklich: „Der Hauptzweck, den ich mit Vorlagedieses Gesetzes verfolge, ist die Verbesserung der religiösenund sittlichen Erziehung der Kinder" P
Das ebenfalls von Sir Robert Peel beantragte Gesetz von1819 ist nichts als eine Anpassung der Bestimmungen von 1802an den veränderten Stand der Industrie. Die Baumwollen-spinnerei war mit allgemeiner Einführung der Dampfkraft in dieStädte gezogen, und war damit in der Lage, auf die Armenkinder,die allein das Gesetz von 1802 betraf, zu verzichten. Die Be-völkerung der Städte bot genugsam jugendliche Arbeitskräfte,welche von ihren Eltern in „freiem" Arbeitsvertrage verkauft,die erwachsene Arbeit verdrängten. Sir Robert Peel sprach beidieser Gelegenheit den später vielfach wiederholten Satz aus,dafs „die grofse Anstrengung britischer Erfindungsgabe, welchedie Maschinerie der Fabriken zu solcher Vollendung gebrachthabe, statt in einen Segen in den bittersten Fluch für dieNation verwandelt wurde" 3 .
1 Das bezeichnete Gesetz bezog sieb lediglich auf die von denArmenvenvaltungen gelieferten Lehrlinge, für die es die Arbeitszeit auf12 Stunden beschränkt, Nachtarbeit ausschliefst u. s. w.
2 Bezeichnend für Peel ist, dafs er Gegner der Koalitionsfreiheit war.
Vergl. Brentano, Arbeitergilden der Gegenwart Bd. I, S. 119.