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Aus eleu gleichen Gründen sind die weiteren Gesetzevon 1825 und 1883 sowie die sie begleitende Agitation her-vorgegangen. Träger dieser Bewegung sind nicht die Arbeit-geber, deren grofse Mehrzahl vielmehr jede Fabrikgesetz-gebung noch auf das äufserste bekämpft, sondern Männer, dievon christlicher Grundlage aus jene Goldgier bekämpfen, dieunschuldige Kinder opfere. Ihre Hauptgegner erblickten siein den Fabrikanten, den Liberalen, den Nationalökonomen.
Richard Oastier war Konservativer der alten Schule(„a Church and King tory of the old sort"); sein Wahl-spruch waren die Worte: „Altar, Thron, Hütte". Sein Ein-treten für die Fabrikgesetze erklärt er in folgender Weise.Wie die britischen Gesetze nach den Grundsätzen desChristentums auszulegen seien, so solle das Handeln desbritischen Volkes ebenfalls durch jene beherrscht werden.Die Armen und Unterdrückten haben daher einen besonderenAnspruch auf Berücksichtigung seitens der christlichen Re-gierungen, insbesondere aber die Kinder. Diese Gedankenauf die gegenwärtige Gesellschaft anwendend folgert Oastier,dafs das Fabriksystem, welches die Armen sittlich und körper-lich herabdrücke, insbesondere die Kinder in der grau-samsten Weise ausbeute, gegen das Gesetz Gottes und dahergegen den Geist der britischen Verfassung sei. Auch stelle esden christlichen Arbeitgeber vor die Wahl, entweder demgewissenlosen Unterdrücker es gleich zu thun oder durch denMitbewerb jenes zu Grunde gerichtet zu werden. Die Ver-fassung eines christlichen Staates und das bestehende Fabrik-system seien daher „so entgegengesetzt wie Licht und Finster-nis". Zuerst von seinen Feinden spottweise der „König " derArbeiter genannt, wurde diese Bezeichnung sein Ehrenname.In der That glichen seine Agitationsreisen in späteren Jahrenwahren Triumphzügen.
v. Schulze-Gaevernitz, Zum soc. Frieden. II. 14