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ist z. B. die Lage der Näherinnen, welchen in den HöhlenOst-Londons „der Schweifs getrieben wird", heute genau die-selbe, wie zur Zeit Kingsleys in den vierziger Jahren, zurZeit des Ausschusses der Lords, der 1855 über diese Fragesafs, zur Zeit der Children Employinent Commission 1862 bis1866. Auch ist hier keine Besserung zu erwarten, so langedie Betriebsweise dieser Gewerbe in den Wohnungen über-haupt fortbesteht. Die Gesetzgebung sowie die Arbeiterkoali-tionen können liier daher viel mehr indirekt als direkt wirken.Denn jede durch sie herbeigeführte Steigerung in den An-sprüchen zu Gunsten der Arbeiter macht diese veraltetenBetriebsweisen konkurrenzunfähig gegen den Grofsbetrieb, derseinerseits, vermöge seiner besseren wirtschaftlichen Organi-sation, diesen Ansprüchen genügen zu können bewiesen hat.Damit treten dann gesunde an Stelle von ungesunden Ver-hältnissen 1 . Der Mittelstand hungernder Sweater, aber auchder verhungernde Arbeiter verschwinden. An Stelle beidertritt eine behäbige Arbeiterklasse.
Dagegen hat in der Grofsindustrie die Fabrikgesetz-gebung die im Anfang des Jahrhunderts so schreienden Mifs-stände grofsenteils beseitigt. Die Wirkung der Gesetze von1844 und 1847 erhellt aus folgenden Zahlen. In der Textil-industrie wurden 1835 56 903 Personen unter 13 Jahren,1850 dagegen nur 40775 beschäftigt, eine Abnahme vongegen 27 % 2 . 1870 wurden in denselben Industrien vonEngland und Wales 75 877 solcher Personen beschäftigt,
1 Die Einführung der Nähmaschine hat einen günstigen Einflufs so-wohl auf den Gesundheitszustand als die Lohnverhältnisse der Näherinnengewirkt. In den fabrikmäfsig betriebenen Anstalten, wo als Triebkraftvielfach Dampf verwendet wird, sind die Arbeitsräume gesünder und dieArbeitsstunden kürzer als bei den kleinen Meistern. Vergl. Die englischeFabrikgesetzgebung von Dr. Ernst Plener. Wien 1871.
2 Report of the Insp. o. F. 31. Oktober 1850 S. 15, 49.